fettes Biken nicht überall erwünscht

Fatbikes sind in aller Munde. Sie sind der neuste Schrei in dieser Wintersaison. Umso schöner, dass ich dieses fette Gefühl testen kann. Für die paar Tage Ferien im Wallis konnte ich mir das Fatbike von Kollege Felix ausleihen.

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Der Mittwoch ist der einzige relativ schöne und trockene Tag. Diesen nutze ich gleich um das Fatty zu testen. Ich starte von Eischoll der Strasse entlang über Unterbäch nach Bürchen. Ich möchte hoch zur Moosalp. Die Strasse ist im Winter für den motorisierten Verkehr gesperrt. Sie wird für Fussgänger und Rodler präpariert. Ideal als meine Teststrecke. Ich treffe bei der Auffahrt drei ältere Fussgänger die sich für dieses spezielle Bike interessieren. Ich geniesse solche schönen Begegnungen. Ansonsten ist gähnende Leere auf der Strasse. Auch im Skigebiet sind nur sehr wenige Schneesportler zu sehen. Es ist noch fast Vorsaison.
Bis zum Restaurant auf der Moosalp sind es nur noch einige Meter, der grösste Teil vom Aufstieg ist hinter mir. Da kommt mir der „Alpuschnaager“ entgegen. Das ist ein Raupenfahrzeug welches zwischen Bürchen und der Moosalp zirkuliert um Fussgänger, Schneeschuhläufer und Rodler zu befördern. Ich halte am Wegrand und möchte ihn passieren lassen. Der gute Herr scheint mit dem falschen Fuss aufgestanden zu sein. Er hält neben mir an, öffnet das Fenster und schreit mich an. Hier ist Fahrverbot. Das gilt auch für mich mit dem Bike. Er möchte meinen Ausweis sehen. Aber sicher nicht. Dann fordert er mich auf, das Bike in das Fahrzeug zu verladen. Ich dürfe keinen Meter mehr fahren. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich bleibe anständig und versuche ihm zu erklären, dass ich jetzt nur noch die paar Meter hoch zur Moosalp möchte um dort etwas zu Mittag essen. Nein!!! Er steigt aus seinem Fahrzeug und schreit weiter. Ich soll sofort umkehren. Der nächste Schritt wäre wahrscheinlich gewesen, dass er handgreiflich geworden wäre. Auf das hatte ich keine Lust. Ich kehrte mein Fatty und düste abwärts.
Auf dem Downhill treffe ich noch auf drei Walliser Skitourengänger. Auch sie staunen über mein Bike. Endlich wieder eine nette Begegnung. Als ich meine erlebte Story erzählte, blieb ihnen der Mund offen. Das gibt es wohl nicht. Schnell weiter, ich höre schon das Geräusch vom „Alpuschnaager“. Dieses A…….. möchte ich nicht nochmals sehen.

Anmerken möchte ich noch, dass ich selbstverständlich keinen Meter auf der Skipiste gefahren bin. Es handelt sich nur um eine schneebedeckte Strasse.

In Bürchen suchte ich den Einstieg zum Winterwanderweg rüber zur Brandalp und weiter nach Eischoll. Zwei Versuche scheitern, weil der präparierte Weg plötzlich endet. Und im tiefen Schnee ist aufwärts kein Durchkommen mehr. Die Region macht Werbung für diesen Weg. Aber eine gute Ausschilderung habe ich vermisst oder verpasst. Na gut, dann fahre ich halt wieder auf der Strasse zurück. Da kann mich immerhin niemand zurechtweisen weil es Fahrverbot wäre.

Dieses Erlebnis liegt mir ordentlich auf dem Magen. Die paar exotischen Winterradfahrer stören überhaupt niemanden. Aufwärts sind sie nur gering schneller als Fussgänger und abwärts etwa gleich schnell wie die Rodler.
Ich halte mich schon seit der Kindheit, also über 30 Jahre, regelmässig in dieser Augstbordregion auf. Es sind also viele Franken in die Kasse dieser kleinen Touristenorte geflossen. Und jetzt dies. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen. Durch die Verbundenheit mit der Region kenne ich auch ihre Sorgen. Es sind kleine, unscheinbare Orte, die nicht von Touristen überrannt werden. Sie sind eigentlich auf jeden einzelnen Gast angewiesen. Und jetzt mit dem Euro-Wechselkurs, wo ein Urlaub im Ausland viel attraktiver ist, erst recht. Oder sehe ich das falsch? Oder interessiert das ein hirnloser Angestellter einfach nicht?
Schade für Bürchen. Eine schlechtere Werbung kann ein Touristenort nicht mehr bieten.

Nächsten Winter werde ich wohl ins Goms gehen müssen. Dort läuft seit diesem Winter ein Fatbike Projekt in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein. Im Sportgeschäft von Koni Hallenbarter in Obergesteln kann man Fatbikes mieten. Und alle 80 km Winterwanderweg sind für die fetten Räder befahrbar. Ein wahres Paradies!

Es wird hoffentlich nicht die letzte Fahrt auf den fetter Reifen gewesen sein. Ein solcher Snowride macht ordentlich Spass. Danke Felix, dass ich dein Bike entführen durfte!

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Nachtrag vom 18.2.2015
Ich konnte es nicht lassen und habe den Link dieses Beitrags an Bürchen-Tourismus geschickt. Heute kam ein Mail zurück. Darin stand folgendes:

„Auf unseren Winterwanderwegen gibt es grundsätzlich kein Verbot für Biker. Wir appelieren aber natürlich auf das Fairplay aller Benutzer. Die Strecke von der Egga auf die Moosalp untersteht aber dem kantonalen Strassengesetz und für den Winter besteht dort ein generelles Fahrverbot. Dies gilt natürlich auch für Velo-Fahrer. Der Alpuschnaager fährt mit einer speziellen Bewilligung auf dieser Strecke.
Ich möchte mich im Namen der Geschäftsleitung aber für den Vorfall entschuldigen. Unser Fahrer hätte selbstverständlich nicht so reagieren dürfen, auch wenn Sie wie oben beschrieben auf einer verbotenen Strasse unterwegs waren.
In diesem Sinne hoffe ich, Sie wieder einmal in der Moosalpregion begrüssen zu dürfen und wünsche Ihnen einen schönen Abend.“

 

12 Gedanken zu “fettes Biken nicht überall erwünscht

  1. Hey Rotscher,
    Da bin ich jetzt aber doch überrascht, dass Dir das gerade in dieser Region passiert ist. Wie Du schreibst, sollten sie doch über jeden Franken froh sein. Und nein, Du siehst es ganz bestimmt nicht falsch. Es ist einfach dieser hirnlose Angestellte. Sehr wahrscheinlich hättest Du auch mit Deinem normalen Bike diese Tour machen können und dieser Idiot hätte wohl gleich reagiert… Sehr schade!

    Ich finde den Bericht aber sehr gut, denn auch solche Sachen müssen publiziert werden. Vielleicht gibt es ja eine Reaktion aus der Region.

    Grundsätzlich bin ich selber sehr gespannt, in welche Richtung der Fatbike Trend gehen wird. Du hast Skipisten erwähnt – meiner Meinung nach haben Fatbiker dort nichts verloren. Schwarze Schafe gibt es überall und es wird wohl auch solche auf dem Fatbike geben. Ich bin aber überzeugt, dass die Mehrheit sich an die Regeln halten wird, so wie es ja bei den „normalen Bikern“ auch der Fall ist. Aber eben, wir werden sehen wo der Trend hingeht. An der letzten Eurobike hatte mehr oder weniger jeder Fahrradaussteller ein Fatbike im Programm. Ich selber bin nur mal im Geschäft kurz auf einem drauf gesessen, ausgiebig testen konnte ich noch keines.

    Auch wenn Dir dieses Erlebnis auf den Magen geschlagen hat – danke nochmals für diesen ehrlich verfassten Bericht und weiterhin einen guten Winter.

    Lieber Gruss, Chregu

    • Danke Chregu für deinen ausführlichen Kommentar. Eine Qualität meines Blogs soll sein, dass er ehrlich, persönlich, aber auch fair ist. Mein Erlebtes an diesem Tag war nun mal leider Negativ. Selbstverständlich habe ich es natürlich viel lieber, etwas Positives zu berichten. Und das überwiegt zum Glück bei all meinen Bikeerlebnissen.
      Dir auch noch gut Schnee 🙂

  2. uhii kein schönes erlebniss, ich weiss nicht ob ich so ruhig geblieben wäre.
    wenn er wegen dir ausweichen gemusst hätte, weil du in vollmontur runter gebrettert wärst, wäre so ne reaktion ja noch nachvollziehbar, aber so … unbelievable.
    zum glück sind solche angestellten aber eher selten, bin bis jetzt erst im Lötschental im winter mal auf ne solche ausprägung gestossen.

  3. Hallo Rotscher, danke für den Hinweis..und Chapeau dass Du so ruhig geblieben bist! Hatte auch mal so eine Begegnung mit einem Gemeindefahrzeug, dass den Schnee auf dem Trottoir räumte…..liegt es an einer allfällig fehlenden Wertschätzung, dass diese Dienstleister so reagieren?

    Ich wage die Behauptung, dass es in ein paar Jahren im Winter präparierte Bikeparks für Fatbiker geben wird….

  4. Typisch Wallis würde ich da mal sagen… Natürlich ein Einzelfall aber trotzdem keiner. Was hab ich schon alles für ‚Bärgchnuschtis‘ im Wallis erlebt. Das beginnt mit unfreundlichstem Bergbahnenpersonal und endet eben mit solchen Geschichten. Schade…
    PS: Zur Ehrenrettung des Wallis muss ich sagen, dass ich auf meiner VexLaax14 keine solchen Zwischenfälle hatte, aber man fühlt sich eben auch nicht überall willkommen, sondern oft nur geduldet.

  5. Cool wie du dieses unschöne Erlebnis weggesteckt hast.
    Ich hatte bis jetzt noch nicht die Gelegenheit, ein Fattes zu testen.
    Habe aber die Vorstellung, dass mit einem Fatbike das ruhig rollen angesagt ist.

  6. Da hat der Pistenbully Fahrer wohl gar keine Tasse mehr im Schrank….Ich drehe fast durch wenn ich so etwas lese. Von mir aus sollen solche Skiegebite pleite gehen. Ich wollte diesen Winter auch noch auf die Moosalp….aber ich glaube das lasss ich sein und gehe lieber nach Spanien an die Sonne.
    Zum Bike im Schnee gibts auch noch andere Sachen:
    Fideriser Heuberge
    Hahnenmoospass von Frutigen nach Lenk
    Hochalp Urnäsch
    Brülisau Ruhesitz
    Andermatt Nätschen
    Lukmanierpass
    Juf
    Mouthatal Stoss
    Hörnli SG/ZH
    Rigi
    Wildspitz
    Schwyz Haggenegg- Einsiedeln
    Langwies- Sapün
    Meiringen- Grosse Scheidegg- Grindelwald- Männlichen
    das wären mal ein Paar alternativen für das Biken im Schnee, sofern man doch nicht komplett der Schweiz den Rücken kehren will…….

    • Hallo Klemens. Tausend Dank für deine Liste der Winterbikemöglichkeiten. Und wenn ich wählen könnte, würde ich die Wärme in Spanien auch vorziehen 🙂 Machs gut!

  7. Hallo Roger, solch unschöne Begegnungen musste ich diesen Sommer leider einige hinnehmen. Was meint der Moosalp-Wirt, wenn Du ihm schreibst, dass Du leider nicht dazu gekommen bist, bei ihm einzukehren! Dem würde ich die Story stecken – mit dem Gratistipp, sich doch mal im Goms betreffend Umsatzzuwachs durch ein neues Angebot zu erkundigen. Vielleicht hängt nächsten Winter ein Zusatzschild „Biker ausgenommen“ neben dem allgemeinen Fahrverbot. Generell stelle ich fest, das es vermehrt zu unschönen Begegnungen mit „Antibikern“ kommt. Vermutlich hat die Zahl aktiver Biker, inklusive Faties, eben ein kritisches Mass überschritten, sodass wir nun definitiv als zusätzliche Nutzergruppe und somit Konkurrenz für Wald, Wege, Berge … und Wintersportgebiete wahrgenommen werden. Beruhigend nur, dass die Gier und der Unternehmergeist der meisten Gemeinden (und somit Förster, Jäger, Gemeindeangestellte), Wirte, Veranstalter und Regionsentwickler früher oder später über den ersten Unmut siegt (Appenzell natürlich wie immer ausgenommen).

    Mich beschäftigen solche „Rügen“ auch immer. Mein Bikekollege reagiert da dann schon besser und bedankt sich dann umgehend für das informative Gespräch und fragt etwas „Unkritisches“ um den Streithahn die Luft aus dem Segel zu nehmen.

    In diesem Sinne Kopf hoch, Kommentar verkneifen und Motzer dumm sterben lassen.

  8. ui ui, sachen gibts und sowas passiert dann auch noch dir. bei irgendeinem jungen rüpel, hätte ich das ja evtl. noch nachvollziehen können.
    finde es aber gut, dass du an der sache dran geblieben bist und es dort bekannt gemacht hast.

  9. Tja das sind leider die „guten“ Manieren… Ich bin selber Walliser und auch stolz drauf. Wohne in Visp und meine Eltern haben ein Chalet in Bürchen, welches mein Grossvater selig selber aufgebaut hat (1965 gab`s noch keine Zweitwohnungsinitiative;-)
    Leider ist das Bekannt, dass der Fahrer des Alpenschnaggers des öfteren mit dem falschen Bein aufsteht… Schade für eine doch sehr schöne Feriendestination, vor allem auch für Biker, Wanderer und Schneesportler. Bürchen verscherzt es leider zunehmends mit den Touristen. So will man die Zweitwohnungsbesitzer zusätzlich berappen weil halt vermehrt Betten kalt bleiben und somit halt Geld in der Gemeindekasse fehlt. Doch wen wundert`s bei der Freundlichkeit…
    Biker sind halt mal die neuen Wanderer, doch das hat man allgemein in der Schweiz noch zu wenig erkannt ausser dem Kanton Graubünden. Im Wallis werden lieber Wege für Biker gesperrt und beschwert sich, dass biken nicht nachhaltig sei und nur die Wege kaputt gemacht werden… Selbst die lokalen Gides beschweren sich, dass Biker sich beim Discounter mit Lebensmitteln eindecken, dem Postauto rauf fahren, wie die Wilden runterheizen und mit dem nächsten Zug wieder durch den Lötschberg verschwinden. Doch auch bei denen fehlt es an Weitsicht, denn viele geniessen ein kühles Blondes im Bergrestaurant, essen in einem Restaurant zu Mittag oder genehmigen sich einen Schluck in einem gemütlichen Restaurant in Visp wenn sie auf den nächsten Zug warten.
    Schade für unsere Region, schade für den Tourismus, schade für die Biker… Amen

    Nein, es ist nicht alles so schlecht im Wallis! Wir haben auch freundliche Leute, bikefreundliche Destinationen wie Grächen, Leukerbad, Zermatt, welche viel für den Bikesport machen. Siehe beispielsweise Swiss Epic. Doch leider ist der Wallis ein sehr engstirniger Mensch, welcher seine Meinung auch manchmal Laut vertritt, auch wenn er das meistens nicht so böse meint!

    Gruss Diego

    • Danke Diego. Dann bin ich zum Glück nicht der Einzige der mal eine Erfahrung zum Vergessen gemacht hat. Aber sonst mag ich das Wallis halt schon. Die Trails, die Landschaft, die Täler, die Berge, die Dörfer, die sonnengebrannten Speicher, die Schwarznasenschafe … hat was zum verlieben. Und dank der Üsserschwiizer gibt es nun auch eine gute Durchmischung der engstirnigen Walliser 🙂 Einen herzlichen Gruss nach Visp!

Danke für deinen Kommentar !