Portail de Fully Plus

Blauer Himmel und hochsommerliche Temperaturen über 30 Grad im Tal. Schön, dass wir an unserem zweiten Wallistag in die Höhe flüchten können.
Es steht das Portail de Fully auf dem Programm. Aber nicht genug damit. Ein zweiter Übergang wird an diese Runde angehängt.

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Übernachtet haben wir in Martigny. So wird gleich vom Hotel weg mit den Bikes gestartet. Ausserhalb vom Dorf gleiten wir bereits über die ersten Trails. Nach einem Stück Asphalt erreichen wir Dorénaz mit seiner kleinen Luftseilbahn. Die Bikes werden kopfüber unten an die Kabine gehängt. Der Ständer fasst maximal 6 Bikes. Hier ist auf den esten Blick klar, dass wir Biker willkommen sind.
Übrigens gibt es hier eine markierte Downhillstrecke, welche ich aber nicht kenne.

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Die rote Gondel erspart uns 670 Höhenmeter. So starten wir auf 1’120 m.ü.M den Berg hoch. Die Strasse ist bis La Giète asphaltiert. Danach rollen unsere Stollenpneus auf der Kiesstrasse Meter um Meter aufwärts bis zur Alp l’Au d’Allesse auf 1’934 m.ü.M.

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Gleich oberhalb dieser Alp befindet sich die Cabane Sex Carro wo wir uns mit einer Cola erfrischen.

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Bis anhin war der Aufstieg auf der Strasse sehr angenehm und gleichmässig. Nun folgt aber der anstrengendere Teil. Der Einstieg zum Weg oberhalb der Hütte ist nur schwer zu finden. Ein paar Meter müssen wir das Bike die Wiese hochschieben. Plötzlich ist der Weg sichtbar. Dieser führt dann entlang der Bergflanke Richtung Norden und ist sehr gut fahrbar.

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Der Weg ist sehr schön und gibt bereits einen ersten Blick ins tiefe Tal frei.
Auf einer Höhe von 2’220 m.ü.M biegt dieser rechts ab. An diesem Aufstieg muss das Bike nochmals ein paar Minuten geschoben werden, bevor ein wunderschöner Singletrail unterhalb des Berges Tête du Portail uns ans erste Etappenziel führt.

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Die letzen Meter bis Portail de Fully sind vor uns. Plötzlich hat man das Gefühl am Ende des Weges zu sein. Ich bin schon das zweite Mal hier oben und wieder könnte ich Schreien. Vor mir fällt der Berg sehr steil 1’800 Meter ins Tal ab und die Aussicht auf die vielen 4’000er Berge inkl. Mont Blanc ist überwältigend.

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Hier könnte ich noch lange verweilen. Dieser phantastische Platz habe ich in mein Herz geschlossen.
Wir verlassen nun Portail de Fully auf 2’267 m.ü.M und nehmen die ersten gut 200 Downhillmeter in Angriff hinab zum Lac Inférieur de Fully, der im Sommer nicht gerade viel Wasser fasst.
Der Trail führt Anfangs an der steilen Bergflanke entlang mit atemberaubendem Blick ins Tal. Danach geht es über Alpwiesen bis zum See.

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Von hier kann man den Weg der Bergflanke entlang wählen, welchen ich letztes Jahr abgefahren bin. Wir wählen aber das Plus. Das heisst, nochmals ein Aufstieg und ein Passübergang.
Eine Alpstrasse bringt uns hinauf zum Lac Supérieur de Fully.

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Entlang des Stausees können die Bikes noch fahrend bewegt werden. Dann wird der Trail immer steiler und zwingt uns oft zum Fussmarsch.

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Oben ist schon der Pass und die SAC Hütte zu sehen. Dazwischen liegen ein paar Höhenmeter und vor allem eine grosse Geröllhalde. Der Weg führt fast in der Falllinie empor zum oberen Weg. Die Bikes sind geschultert und die losen Stein bereits unter den Schuhen zu spüren. Schritt für Schritt kämpfen wir uns das extrem steile Steinfeld hoch. Bei mir zahlen sich meine neuen bergägigen Bikeschuhe mit Vibramsohle bestens aus. Der Suplest Offroad Alpine leistet super Arbeit und lässt mich nicht im Stich.

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In der alten SAC Hütte schalten wir unseren Mittagshalt ein. Bei Gerstensuppe und Apfelkuchen geniessen wir die herrliche Aussicht.
Übrigens ist an diesem schönen Platz eine neue Hütte geplant. Die aufgehängten Pläne und Fotoanimationen sehen schön aus. Da werde ich sicher wieder mal einen Besuch abstatten. Wenn möglich sogar mit einer Übernachtung.

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Bis zum eigentlichen Passübergang Col de Fenestral auf 2’453 m.ü.M sind es nur noch ein paar Schritte. Gespannt werfen wir den Blick in die nächste Geländekammer. Eine andere, aber mindestens so eindrückliche und wunderschöne Landschaft empfängt uns. Die Mutter Natur zeigt sich von seiner schönsten Seite.

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Voller Freude stürzen wir uns auf den Bikes das Tal runter. Zuest ist der Weg steil und steinig, wird danach etwas entspannter bis wir die saftig grüne, total flache Ebene Euloi erreichen. Die rundum sichtbaren Felstürme ziehen immer wieder unsere bewundernden Blicke auf sich.

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Ab der darauffolgenden Alp geht unser Weg durch den schmalen Taleinschnitt abwärts. Er überrascht uns immer wieder mit technischen Herausforderungen. Wir erreichen die Alpstrasse, welcher wir bis Chiboz folgen. Beim Restaurant auf der schönen Sonnenterrasse muss unbedingt ein Halt eingeschaltet werden bevor das grosse Finale in Angriff genommen wird.
Zwei von uns entschliessen sich, die Strasse runter zu düsen. Felix und ich kennen das vor uns stehende Spitzkehrenfestival. Pupi gesellt sich noch zu uns. Also nichts wie los. Schliesslich sind noch 860 Höhenmeter zu vernichten. Die ersten Kehren sind geschaft. Der Trail verläuft ein Stück der Bergflanke entlang, wo man sich keinen Sturz erlauben darf.

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Dann empfängt uns ein Geröllübersähter Trail. So habe ich diesen nicht in Erinnerung. Ich glaube, dass der Winter einiges Material auf den Trail verfrachtet hat. Ein Fahren wäre nur sehr schwer möglich. Ich entscheide mich für die Variante per Fuss. So ein steinübersähter Abschnitt folgt nochmals. Aber dann, der Abhang immer noch steil, die Kehren alle fahrbar, der Trail super. Eine Kehre folgt auf die Andere. Teils sind sie nur eine Radlänge auseinander. Die Bremsen sind gefordert. Auf diesen Augenblick habe ich gewartet. Das ideale Testgelände für mein Langzeittest der BrakeForceOne. Die Bremsscheiben sind wohl kaum mehr anzufassen. Gut 30 Kehren liegen hinter uns. Ich blicke in die Tiefe. Locker nochmals so viel liegen vor mir. Ein öffnen der Bremse ich kaum möglich. Der Trail ist zu steil und die nächste Kehre beglückt uns bereits wieder.
Trotz toller Bremspower muss ich einen Zwischenstop einschalten. Auch die beste Bremse braucht eben Fingerkraft. Das Problem liegt eher an mir. Als „Bürogummi“ fehlen bei mir für so ein Bremskillerweg einfach die nötigen Muskeln.
Weiter geht es. Der Spass bleibt erhalten bis wir die Rebbergen erreichen. Das war wieder genial. Das Bikerherz ist beglückt, die Mundwinkel weit oben und der Bremstest bestanden.

Auf dem Radweg durch die schmucken Dörfer rollen wir nach Martigny. Heute war ein perfekter Tag. Geniale Tour, bestes Wetter, hammermässige Trails und super Kameradschaft.
Toll, endlich zurück im Hotel, duschen und relaxen. Oh nein, aber nicht mit Felix. Er will unbedingt sein neues Speedmington ausprobieren. Da bin ich natürlich ein ideales Opfer. Auf dem benachbarten Fussballfeld spurten wir uns die Füsse platt. Das Spiel macht Spass. Das fliegende Hütchen hat eine gewaltige Geschwindigkeit. Eben Badmington mit Speed. Nur der unregelmässe und teils starke Wind macht uns zu schaffen und lässt uns zusätzlich in Atem halten.
Endlich ist auch Felix müde. Duschen, entspannen und fein essen im Dorf an diesem warmen Abend.
Toll war es.

Distanz: 52.2 km
Fahrzeit: 5:02 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 10.4 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 56.0 km/h
Höhenmeter: 1’774 hm
Downhillmeter: 2’407 dm
Bike: Liteville 301

 

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