Samba, Samba – der Hot Spot

Es gibt wohl keinen legendäreren und bekannteren Trail wie den Brasilianer im Wallis. Schon Wade Simmons hat diesen gerockt. Danach sicher tausende von Bikern aus der halben Welt.
Er wird als einer der flowigsten Trails der Alpen angepriesen. Auch David, Stee und ich haben uns von diesem Lockruf entführen lassen. Wir möchten heute Samba auf unseren Bikes tanzen.

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Wieso eigentlich Brasilianer? Auf einem der Wegweiser Richtung Nax hat jemand „The Brazilian“ drauf geschrieben. Diesen haben wir aber leider nicht mehr gefunden. Die gelben Tafeln sehen relativ neu aus. Daher nehme ich an, dass es diesen nicht mehr gibt.

Und wie kommt man zum Brasilianer? Start ist der Pass Col de Cou. Anfahrten gibt es zwei. Mit der Luftseilbahn hinauf nach Vercorin. Danach mit dem Bike ins Tal hinein fahren bis zur Ebene Rèche. Dann muss das Bike hinauf zum Pass geschultert werden. Die zweite, grosse Variante ist jene die wir gewählt haben:

Wir stehen in Sierre am Busbahnhof und möchten mit dem Postauto nach Grimentz geshuttelt werden. Aber weit gefehlt. Der Bus ist masslos überfüllt. Keine Chance um mitzufahren. So warten wir 1.5 Stunden auf den nächsten Kurs. Auch dieser war überfüllt. Zum Glück waren wir aber drinnen.
Peinlich für die PTT für solche Zustände ohne Extrafahrt.

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Von Grimentz bedienen wir uns der Gondelbahn hoch auf 2’120 m.ü.M. Weiter führt uns eine zuerst angenehme Kiesstrasse weiter hinauf ins Skigebiet. Herrlich die Aussicht je höher wir kommen.

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Der gut aussehende Weg wird immer steiler und lässt die Pumpe auf Hochtouren arbeiten, resp. ein paar Meter das Bike schieben.
Ganz links erblicken wir bereits den Col de Louche.

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Auch die Vegetation wird immer spärlicher.

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Zwischendurch war endgültig fertig mit fahren.

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Bei der Skilift-Bergstation suchen wir dann vergeblich nach einem Weg.

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Die letzten Meter sind geschaft. Wir stehen auf 2’892 m.ü.M. mitten unter Milionen von Steinen.

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Der Blick auf die andere Seite ist fantastico! Schon wieder sind wir im Hochgebirge. So ist auch der Trail runter zum Seelein. Die ersten Meter sind nur Geröllhalde.

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Das unberührte Tal verzaubert uns mit seiner Schönheit.

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Etwas nach dem Seelein geht der Krampf nochmals weiter. Ein wunderschöner Höhenweg führt dem Hang entlang zum Col de Cou. Leider ist dieser Trail aber oft verblockt und führt immer rauf und runter. So zerrt er unsere Kräfte aus den Muskeln und möchte nicht mehr enden.

Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen gegenüber David und Stee, welche ich für diese Tour mitgezogen habe. Hoffentlich wird der Brasilianer dafür genial.
Endlich, der Col de Cou auf 2’529 m.ü.M.

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Yeeh, hinein ins Vergnügen. Jetzt wird Samba getanzt. Ganze 2’000 Höhenmeter.
Die ersten Meter sind noch ordentlich verblockt. Da habe ich gleich eine Samba-Spezialnummer zum Besten gegeben und mich unsanft über den Lenker geworfen. Zum Glück nicht Ernsthaftes passiert. Weiter im Text.
Bei der ersten Alp werden die Trails dann einiges flowiger.

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Samba, Samba, unsere Bikes tanzen den Trail runter. Höhenmeter um Höhenmeter werden vernichtet.
Wir erreichen Nax, flitzen gierig durch das Dorf auf der Suche nach der Fortsetzung. Wir biegen in den Waldweg ein. Unser Thempo wird immer schneller. Wir befinden uns auf der brasilianischer Freeridepiste. Schonungslos prügeln wir unsere Bikes durch die Kurven, über Steine und Absätze.

Wir stehen unten im Tal, grinsen uns an und wissen nun wie man Samba tanzt.
Und, lohnt sich dieser Trail? Jein!
Der erste Teil über den Col de Louche ist recht anstrengend. Hier punktet vor allem die Landschaft. Der Brasilianer selber hat zwei Gesichter. Der Trail wäre echt der Hammer wenn es kein Hot Spot wäre.

Durch die Bekanntmachung, GPS-Daten etc. wird der Trail von unzähligen Bikern/Freeridern besucht. Darunter leidet der Weg sehr. Der mittlere Teil bis Nax weist sehr grosse Spurrinnen auf. Der untere Teil ins Tal ist gespickt mit Bremsrillen vor den Kurven. Dies zeigt sehr klar wer sich hier rumtreibt resp. wie viele hier runter düsen. Für mich ist der Brasilianer dadurch eher eine Rennstrecke als ein Flowtrail. Ja, ein Resultat der Freerider und Downhiller, die egoistisch nur an ihren Spass denken.
Ok, ich hatte auch meinen Spass, aber irgend wie hat es mich auch nachdenklich gestimmt. Die Bergwege sind einfach kein Bikepark wo eine agressive Fahrweise vielleicht möglich ist, weil die Pisten immer wieder präpariert werden.
Schreddern kann jeder. Echt gekonntes biken ist, schnell unterwegs zu sein und Spass zu haben, ohne das Hinterrad in jeder Kurve zu blockieren. Wer das beherrscht ist ein Profi.

Ich liebe meinen Sport sehr, ebenso die Natur. Das Naturerlebnis ist für mich ein Bestandteil des Mountainbikesports. Wäre doch schön, wenn wir uns nicht das Grab selber schaufeln.

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Distanz: 39.8 km
Fahrzeit: 3:49 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 10.4 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 59.4 km/h
Höhenmeter: 931 hm
Downhillmeter: 2’438 dm
Bike: Liteville 301

 

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