Gletscher und Rebberge

Genau das bietet das Wallis. Das macht es auch so speziell. Erst recht wenn man an einem Tag das Bike durch alle Vegetationszonen steuert.
So erfüllt sich für mich fast ein Traum. Vom Gletscher auf knapp 3’000 m.ü.M. bis in die Rebberge unter 500 m.ü.M. Eine geniale und nicht minder anstrengende Hochtour.

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David und Stee sind mit Camper und Bike unterwegs. Die letzten Tage verbringen sie im Wallis. Auf diese Gelegenheit habe ich fast gewartet. So habe ich zwei Opfer für mein Unterfangen gefunden. Nichts ahnend sagen sie mir zu.

Es ist halb acht als wir uns auf dem Campingplatz treffen. Mit den ersten 20 km im Tal rollen wir unserem Abenteuer entgegen. Dass wir die fast 2’500 Höhenmeter nicht auf dem Bike absolvieren versteht sich von selbst. Den Bergbahnen sei Dank. Auf 2’200 m.ü.M ist dann aber fertig lustig. Für die letzten 700 Höhenmeter sind unsere Muskeln gefragt. Was locker klingt entpupt sich als Herausforderung. Der erste Trail führt uns an den Aufstieg.

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Dieser zeigt bereits von Anfang an seine bissigen Zähne. Eine Steinpiste mit ordentlich Gefälle. Einige Stücke sind auf dem Rad zu bezwingen bis der Pulsschlag in ungeahnte Höhen steigt. So wechseln sich fahrbare Meter mit stossenden Metern ab. Die Hälfte ist geschaft. Für den zweiten Teil muss das Bike geschultert werden.
Von der Vegetation haben wir uns bereits verabschiedet. Kaum ein Grashalm wächst in dieser Steinwüste. Graue Steine so weit das Auge reicht. Willkommen im Hochgebirge.

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Yeh, der Gletscher ist in Sicht. Still und mächtig liegt er uns zu Füssen. Phantastisch, ewiges Eis im Sommer.

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Auf 2’927 M.ü.M erklimmen wir den höchsten Punkt des heutigen Tages. Wir freuen uns auf den Abfahrtsspass. Nächstes Ziel ist die SAC-Hütte. Aber wo ist sie? Weit gefehlt. Die nächsten Strapazen warten auf uns. Jeden fahrbaren Meter geniessen wir. Aber aufgepasst, wir sind im Hochgebirge. Hier sind die flowigen Stellen Mangelware. Nach dem vernichten der ersten Höhenmetern stehen wir vor der nächsten Geröllhalde. Unsere Bikes nehmen wieder den Platz auf der Schulter ein.

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Kaum zu fassen. Ich könnte schreien vor Freude. Mich hat das Gipfelglück überwältigt. Ich stehe auf einem Passübergang, umringt von Felsen und Steinen und blicke in die Tiefe. Die ersehnte Hütte liegt unter mir. Jetzt ist es definitiv so weit. Der Weg führt abwärts.

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Wo bitte ist der Bikeweg? Auch dies gehört zu einer Hochtour.

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Durch das lose Gestein werden unsere Bikes gezirkelt. Immer mit wachen Auge, viel Konzentration und einer guten Portion Fahrkönnen.

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In der Hütte geniesse ich meine Käseplatte bevor es weiter geht. Und wie geht es weiter. Steil und verblockt ist nur der Vorname. Die anderen Leute auf der Hütte sind beeindruckt. Wir hören nur noch Ausdrücke wie „wahnsinnig mit dem Bike hier runter“. Dann sind unsere Gedanken zu 200% auf dem Trail. Fehler sind hier keine erlaubt. Einfach unbeschreiblich, voll am Limit, eine wahre Freude.

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Wir erreichen eine Hochebene und werden vom zaghaften Grün begrüsst. Die nächste Vegetationsschicht ist geschaft. Die Ebene ist unglaublich schön. Der Weg führt über grosse Schieferfelsplatten und versetzt uns in eine andere Welt.

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Wir können das Ende der Hochebene kaum erwarten. Nach dieser Kuppe haben wir es erreicht. Nein, nochmals ein Stück Ebene eine Etage weiter unten.

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Wow, dann stehen wir vor dem Abgrund und der Blick zielt auf den türkisblauen Stausee. Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich glauben es wäre ein Traum.

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Ein kurzes Tunnel eröffnet uns die Welt in den Downhillspass. Eine gut ausgebaute Steinpiste verleitet uns zum es richtig krachen zu lassen. Stausee wir kommen.

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Die Zeit vergeht im Flug. Beim See haben wir erst die Hälfte der Gesamthöhe vernichtet. Wir drücken auf das Gas.

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Vorbei am See und hinein in die nächste Abfahrt. Die ersten Bäume lassen wir hinter uns und traversieren dem Hang entlang Richtung Felswand. Das nächste Highlight zwingt uns kurz vom Rad zu steigen.

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Die Trails werden immer flüssiger und die Hangtraversen scheinen fast endlos zu sein. Dann endlich wieder eine Abfahrt zwischen den Bäumen durch. Die Höhenmeter purzeln hauffenweise.
Stop! Mit unseren breiten Lenkern ist das Durchkommen in diesem Tunnel zum Glück noch machbar. Auf dem Hinterrad zirkeln wir das Bike durch die enge Felsöffnung.

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Kurze Zeit später stehen wir wie auf Kopfdruck im Rebberg, umringt von reifen Trauben. Der folgende Suonenweg durch den Rebberg zieht sich einige Kilometer in die Länge. Also genügend Zeit um die Glückshormone zu ordnen und den Adrenalinspiegel zu senken.

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Der Talboden auf 490 m.ü.M. krallt sich unter unseren Stollen fest. Geschafft!
Locker padalen wir zurück zum Campingplatz welchen wir nach 12 Stunden Abenteuer um halb acht erreichen.

Was soll ich noch sagen? Mein Traum wurde Wirklichkeit. Eine der grandiosesten Abfahrten in meinem Bikerleben habe ich soeben absolviert.

Route: Plaine Morte – Sion

Distanz: 70.9 km
Fahrzeit: 6:16 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 11.3 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 50.1 km/h
Höhenmeter: 1’107 hm
Downhillmeter: 2’683 dm
Bike: Liteville 301

 

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