Planet Ducan

Ducanfurgga

Eine strenge Arbeitswoche liegt hinter mir. Dagegen gibt es nur eine Medizin; ab auf das Bike und sich auspowern.
Das Wetter sollte am Samstag noch halten. Da ist eine passende Tour schnell gefunden. Den Ducanfurgga wollte ich schon lange überqueren. Er wird einiges abverlangen. Vielleicht gar nicht so schlecht wenn ich alleine unterwegs bin.

Ich starte in Filisur. Eine ausgeschilderte Bikeroute führt vorbei am Bellaluna, welches geschlossen ist und zum Verkauf steht. Ab hier wird es das erste Mal richtig anstrengend. Nach kurzem Auf und Ab windet sich der Weg empor. Er ist zwar fahrbar, aber fordert die ersten Körner. Dafür entschädigt die Aussicht hinunter zum Bergüner Stein, der felsigen Talenge. Bis Bergün kann ich mein Bike rollen lassen. In diesem wunderschönen Dorf darf ein Halt nicht fehlen. Wer mehr Zeit mitbringt, muss unbedingt das Dorf besichtigen. Ein wahres Schmuckstück.

Bergün Bergün

Via Bahnhof geht es auf der anderen Bergseite weiter. Natürlich immer schön aufwärts. Latsch und Stugl sind zwei Bergdörfer oberhalb von Bergün. Latsch ist bekannt durch die Dreharbeiten im Heidifilm. Es liegt jedoch nicht auf meiner Aufstiegsroute. Ich folge der Naturstrasse direkt nach Stugl. Dieses Dorf liegt abgelegen und ist sehr ursprünglich.

Stugl Stugl

Immer noch führt eine angenehme Naturstrasse weiter den Berg hinauf. Runsolas liegt am Taleingang vom Val da Stugl. Wer über den Ducanfurgga möchte, muss leiden. Das kann ich dir schriftlich geben. Hier in Runsolas gibt es also noch die Möglichkeit einen anderen Weg einzuschlagen. Mein Kopf lässt dies selbstverständlich nicht zu. Nur wer leiden muss, kann ein Bikeerlebnis so richtig geniessen. Es wird umso intensiver. Im nachhinein kann ich das locker schreiben. Aber die Alpstrasse hinauf zur Alp da Stugl ist brutal steil. Sie will nicht mehr enden. Ich muss zwischendurch anhalten und meinen Puls entspannen. Hoffentlich ist nicht der gesamte Aufstieg zum Pass so knallhart. Vor der Alp entspannt sich die Lage.
Am Gatter wird mir klar, dass mir eine weibliche Begleitung fehlt. Alles hat seine Hierarchie. Naja, dann schliesse ich die Türe halt auch als Stier 🙂 Oder ist die Tafel nicht so gemeint?

:) Alp da Stugl

Es geht vorbei an vielen Schafen und drei Herdenschutzhunden. Ups, die bellenden und auf mich zu rennenden Bewacher lassen mir das Blut fast erstarren. Aber die Vierbeiner sind schnell beruhigt und zeigen ihre Neugier.
Die grüne Alpstrasse wird bald zum Trail. Das meiste ist auf dem ersten Teil recht gut fahrbar. Dann folgt definitiv das fahrende Ende. Das Bike kommt auf die Schultern.

Nach der Alp da Stugl Zwischen Alp da Stugl und Mäschenfurgga

Plötzlich setzt leichter Regen ein. Oh, hätte ich früher starten sollen? Ich verschärfe mein Tempo. Dann erblicke ich eine Blume mitten auf dem Pfad. Trotz Regentropfen lege ich das Bike auf die Seite und zücke meinen Fotoapparat. Genau hier fühlt sich diese Seltenheit wohl. Im Umkreis von etwa 20 Metern finde ich einige dieser Schönheiten. Solche Augenblicke zaubern ein grosses Glücksgefühl in meine Seele und lassen den ganzen Alltag vergessen.

Edelweiss am Wegrand

Die schwarze Wolke hängt genau über mir. Frisch gestärkt mit Glück, eile ich den Berg hinauf. Das Val da Stugl ist wunderschön. Ein richtig einsames und unberührtes Tal. Natur pur. Nur schon deswegen ist es ein Besuch wert. Und je höher man kommt umso mehr wechselt die Farbe von Grün nach Grau. Auf der rechten Talseite sind riesige Kieshalden an den Bergflanken sichtbar. Vor mir zeigt sich der Rücken vom Mäschenfurgga. Hier schwinge ich mich wieder auf das Bike. Der Aufstieg ist fahrbar. Oben erreiche ich den höchsten Punkt dieser Tour.

Aufstieg zur Mäschenfurgga

Die Landschaft wird immer schöner. Mir gefällt es einfach im Hochgebirge. Rundum fast nur noch graue Steinhalden und -berge. Daraus spriessen gelbe Blumen und das grüne Gras ist nur noch Dekoration. Man befindet sich auf einem anderen Planeten.

Zwischen Mäschenfurgga und Ducanfurgga Kurz vor dem Ducanfurgga Ducanfurgga mit Blick ins Ducantal

Der Ducanfurgga liegt ein paar Meter tiefer. Die graue Senke ist aussergewöhnlich. Ich fühle mich wie frisch gelandet auf dem Planeten Ducan. Unbeschreiblich!

Blick runter zum Ducanfurgga Ducanfurgga Panorama Ducanfurgga

Ich verzehre meinen kleinen Proviant und schiesse einige Fotos. Gerne würde ich länger hier oben verweilen. Aber ich muss weiter, mein Ufo startet gleich ….. Schon sitze ich auf dem Sattel und die Gedanken sind wieder auf dem Trail. Nach einer kurzen Querung geht es steil runter. Mit beiden Rädern rutsche ich auf dem losen Schotter umher. Immer wieder muss ich tiefe Bachbeete durchqueren. Die mannshohen Schotterfurchen bremsen etwas den Spass. Hier oben muss ein massives Unwetter getobt haben.
Dann eine flache Passage. Im schnellen Flow fliege ich über den Trail. Ein paar Wellen lassen mich fast wie auf einem Pumptrack fühlen. Die nächste technische und steile Passage folgt. Nachher führt der Pfad durch eine steil abfallende Schotterwand. Genial.

Blick zurück zum Ducanfurgga Ducantal Ducantal Ducantal

Die dunkle Wolke ist verfolgen und hat wieder vermehrt dem Blau am Himmel Platz gemacht.
Das saftige und knallige Grün im Sertig ist der pure Kontrast zur Steinlandschaft im Val da Stugl und dem Ducantal. Im Restaurant in Sertig Sand türmen sich die Bikes. Ich lasse es links liegen. Der wunderschöne Trail vom Rinerhorn nach Sertig ist extrem beliebt. Für mich hat er etwas wenig Herausforderung. Darum fahre ich diesen jetzt aufwärts. So macht der Trail doppelt Spass. Er fordert massiv mehr Substanz und Fahrtechnik. Ausser einer Bachüberquerung ist alles super fahrbar 🙂 Etwas erstaunt sind die vielen Biker und Bikerinnen die mir entgegen kommen schon. Vorbei an einem Fliegenpilz geht es nach Äbirügg, wo ich den schönen Blick Richtung Davos geniesse. Zur Bergstation vom Rinerhorn kann ich die Beine etwas lockern.

Sertig Fliegenpilz am Wegrand Äbirügg mit Blick nach Davos

Die Zeit verrinnt. So lasse ich auch das Restaurant bei der Gondelbahn rechts liegen. Tendenziell geht es jetzt abwärts. Lockeres biken ist jedoch eine Fehlanzeige. Wer den Hauditrail kennt, weiss was ich meine.
Viele Fotos gibt es an dieser Stelle nicht mehr. In meinem Blog findest du andere Beiträge zu dieser Tour über die Hauderalp.

Hauderalp

Bei der Hauderalp muss ich zweimal überlegen welchen Weg ich einschlagen soll. Die Variante runter nach Monstein? Ich könnte von dort auch ganz hinab in die Zügenschlucht fahren. Schliesslich habe ich schon so viel anstrengende Höhenmeter fast ohne Pausen hinter mir.
Wennschon dennschon, denke ich mir und biege in den Trail ein. Ich nenne ihn Big Haudi. Dieser führt mich wieder alles auf Trails bis Jenisberg. Kurz davor ist der Akku komplett leer und der Blutzucker tief gesunken. Das treten wird zur Qual. Auf so einer Tour müsste man mehr Pausen einlegen und vor allem mehr Nahrung zu sich nehmen. Das ist typisch für mich wenn ich alleine unterwegs bin. Die Tour wird zur ganztägigen Trainingseinheit.
In Jenisberg statte ich der Besenbeiz einen Besuch ab. Eine richtige Wohltat. So kann ich fast wieder in alter Frische weiter rocken. Der Trail runter in die Zügenschlucht, vorbei an der Station Wiesen, unter dem Wiesemer Viadukt hindurch, alles Richtung Landwasserviadukt. Dann taucht es vor mir auf. Geschafft!

Landwasserviadukt

Der Anblick vom imposanten Viadukt ist immer gewaltig. Und ich weiss, dass ich eine harte, aber super Tour hinter mir habe. Etwas stolz über meine Leistung, und vor allem extrem glücklich, belade ich das Auto. Nun geht es zurück nach Hause. Eines wird mir auf der Rückfahrt klar, mit meinem Ufo werde ich wieder auf dem Planet Ducan landen.

Distanz: 64.9 km
Fahrzeit: 6:21 h
Höhenmeter: 2’453 hm
Bike: Liteville 301 Mk11

 

8 Gedanken zu „Planet Ducan“

  1. Hi, schaut super aus die Tour 🙂 über 6 h Fahrzeit ist hart oder? oder ist das mit den Pausen? Gibt es in Filisur gute Parkmöglichkeiten? wo man auch ungestört das Bike ausladen usw…?

    LG

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    • Hallo Marco. Das ist natürlich nur die reine Fahrzeit ohne Pausen 🙂 Parken kannst du gut vor dem Dorf Filisur. Dort hat es unten an der Hauptstrasse, in der Nähe vom Landwasserviadukt, einen grossen Kiesplatz.

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  2. ausser müden beinen garantiert ohne nebenwirkungen diese medizin. müsste eigentlich öfters vom doktor verschrieben werden, zwecks burnout-vobeugung *g*
    einmal mehr super tour und bilder Roger 8), diese steinlandschaften haben so was erdendes und der farbwechsel von grün in grau und wieder zurück ist einfach traumhaft.
    wie nennt sich dann die seltene schönheit ? mit meinen botanikkenntnissen ist es leider nicht so weit her.

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    • Ja, dieses Arztrezept fehlt eindeutig in unserer Gesellschaft 🙂
      Die Blume müsste eigentlich jeder kennen. Aber sie ist so selten, dass man sie eben wieder nicht kennt. Es ist natürlich ein Edelweiss. Übrigens kann man mit einem Klick auf die Bilder diese grösser ansehen. Dort steht dann jeweils auch ein kleiner Hinweis zu jedem Foto.
      Gruss, rotscher

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  3. Was soll man da noch schreiben, Du hast diese Tour genauso beschrieben wie ich sie in Erinnerung habe. Diese hochalpine Landschaft, diese Einsamkeit, man möchte jeweils ewig sitzen bleiben. Für mich ist das immer wieder zwiespältig, einerseits sollte man solche Momente mit jemandem teilen können, andererseits merkt man alleine, was für ein kleines bescheidenes Teil man vom Ganzen ist.

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  4. danke rotscher 🙂

    hui dann müsste ich früh los fahren, denn ich komme aus Basel 🙂

    ps: kann es sein das die Benachrichitung nicht funktioniert? habe keine Mail erhalten über weitere Kommentare bzw. Antworten

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    • Hallo Marco. Die Benachrichtigung sollte eigentlich schon funktionieren. Ich kann da nichts verändern. Das ist alles vorgegeben von WordPress.
      Von Basel ist es für einen Tag schon des Guten zuviel 🙂

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  5. Hallo Rotscher

    Also von Basel aus geht das schon 🙂 war letzes Jahr in der Lenzerheide, auch über 6h auf dem Bike, die Zeit total unterschätzt, als die Sonne unterging war ich immer noch irgend wo auf den Bergen, und ohne Licht, Gott sei Dank habe ich es dann doch noch zum Auto zurück geschaft, es war dann bereits 21:00 🙂 irgend wann um Mitternacht kam ich dann in Basel an 🙂 Es ist natürlich dann schon ein wenig mühsam nach so einem langen Bike Tag, noch 2 1/2 h mit dem Auto wieder zurück fahren. Aber mit der Müdigkeit ging es eigentlich ganz gut, ich denke das ist weil man nach dem Biken noch so aufgedreht ist…:-) Aber ich überlege mir auch ev. 1 Nacht in Filisur in einem Hotel zu übernachten. Wär schon gemütlicher 🙂 mal sehen 🙂 Grüsse Marco

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