Surenenpass – the big round

Surenenpass – the big round

Alexander kenne ich von meinen onTOURen vom letzten Jahr. Schon damals war klar, ich werde irgend wann ein Weekend bei ihm in der Zentralschweiz verbringen. Genau das haben wir jetzt eingelöst.
Heute ist ebenfalls Reto und unser E-Biker Hans dabei. Beide wollen sich die Tour über den Surenen nicht entgehen lassen. Dass es aber eine „big round“ wird, ist uns allen nur halb bewusst.

Die Reise fängt gut an. Beim Bahnhof Stans versorgen wir uns mit Fressalien und wollen gleich die Verkäuferin zum mitkommen überzeugen. Zu Viert geniessen wir schliesslich die Zugfahrt hinauf nach Engelberg.

Die ersten Pedalumdrehungen führen uns durch den bekannten Ferienort. Ich habe immer gedacht, dass Engelberg am Ende vom Tal in einem Kessel liegt. Weit gefehlt. Wir fahren fast endlos das wunderschöne Tal weiter, durch herrlich grüne Wiesen, umrahmt mit senkrechten Felswänden, und im Nacken immer den Titlis.
Plötzlich öffnet sich das Surenental wieder. Genau hier liegt die weisse Kapelle und die bewirtete Blackenalp. Dieser Ort ist so schön, da muss eine Pause sein.

Der selbstgemachte Früchtekuchen schmeckte vorzüglich, mit Heidelbeeren rund um die Alp.
Aber wir müssen weiter, der Tag ist noch lang. Jetzt kommen die nahrhaften Höhenmeter hinauf zum Pass. Hans ist klar im Vorteil. Sein Motor liefert Power und lässt ihn sehr viele Teile der Strecke fahrend bewältigen. Mein Puls ist am oberen Limit angelangt, so dass ich zwischendurch den Fussmarsch vorziehe, obwohl es theoretisch fahrbar wäre.
Es gab sie auch, die Passagen wo Hans sein schweres Gefährt den Hang hinaufschieben musste. Da war ich richtig froh, ein Bio-Bike zu haben.

Ich stehe bereits auf dem Pass, habe den Trailaufstieg durchgezogen. Reto und Alexander folgen. Wo ist Hans? Nur ein paar Meter unterhalb vom Pass ist er mit seinem Bike beschäftigt. Aha, Akkuwechsel. Wirklich nur wenige Meter vor dem Pass ging Hans der Saft aus, schlechtes Timing. Es kann nicht sein, dass seine Kollegen unter Beobachtung vom grossen Publikum fahrend den Pass erreichen und er sein E-Bike schieben muss 🤣

Ein Pass ist immer wieder ein Erlebnis. Mit dem Erreichen der Höhe ergibt sich eine neue Perspektive, ein Blick in die nächste Geländekammer. Ich habe schon so viele Pässe bezwungen, und dennoch ist es immer wieder ein tolles Gefühl, ein Wow-Erlebnis.

Wir verzehren ein Sandwich und plaudern mit zwei jungen Mädels, die sich gerade mit schwerem Rucksack auf der ViaAlpina befinden. Cool, dass es noch junge Leute gibt, die so etwas unternehmen, trotz Strapazen und Komforteinbussen.

Weiter geht unsere Reise. Ich erspähe bereits den Trail, mein Terrain. Der Pfad ist technisch und ruppig. Sogar ein paar Schneefelder müssen überquert werden. Kein Wunder heisst es hier Langschnee. Erst auf der Ebene von Waldnacht gibt es etwas Entspannung.
Dieser erste Teil der Abfahrt ist schon mal ein Genuss, zumindest für mich. Das sehen nicht alle gleich.

Nun stehen wir hoch über dem Bockitobel und blicken staunend in die Tiefe. Da bin ich gespannt, wo und wie der Trail verläuft. Er windet sich durch den Wald hinab, immer versetzt mit technischen Leckerbissen, vielen Steinen und rutschigen Wurzeln. Dann überholen mich zwei Astronauten (Biker in Vollmontur) mit der Einstellung „Hautsache schreddern“.

Die Zeit verfliegt, wir sind unter Zeitdruck. Die Abfahrt war knackiger als vermutet und nicht für alle so toll fahrbar. Kurz vor dem Talboden die letzten wirklich heissen Abkürzungen. Dann folgt der Pflichtteil nach Flüelen. Alexander drückt richtig aufs Gas. Immer schön 25 Km/h einhalten, damit wir Hans nicht abhängen. Aber wehe wenn wir langsamer sind, der E-Biker prescht vorbei.
Das war ein Rennen um Minuten. Einer der Raddampfer auf dem Vierwaldstättersee legt am Steg an.

Auch das ist unsere Urschweiz und nicht nur eine wahre Freude für Touristen. Auch ich geniesse diesen See und die alten Schiffe.

Endlich etwas die Seele baumeln lassen, die Beine strecken, geniessen. Die Tour über den Surenen in diese Richtung braucht einige Körner. Hans hat genug von den verblockten Trails und nutzt die schöne Schifffahrt bis Beckenried. Alexander, Reto und ich steigen in Treib aus. Die alte und schmucke Drahtseilbahn bringt uns hinauf nach Seelisberg. Die nächsten Höhenmeter stehen an. Es wird kein Uphill und kein Trail ausgelassen.
Schliesslich blicken wir von Emmetten auf den blauen See. Das Finale liegt vor uns. Die drei Unverwüstlichen verschwinden im Wald und düsen über den Biketrail. Ein Stück weiter unten biegen wir in den dunkelschwarzen Trail von Luki Stöckli ein. Wow, so ein Trail bräuchte ich vor der Haustüre. Der Pfad ist richtig knackig, aber für uns mit entsprechender Fahrtechnik durchwegs fahrbar.
Der See ist erreicht. Unser Adrenalin und die Glücksgefühle sprudeln fast über. Das war ein Hammerabschluss.

In Beckenried treffen wir unseren E-Hans, radeln dem See entlang nach Buochs und parken die Bikes direkt bei der Pizzeria. Der Appetit ist riesig, der Flüssigkeitsbedarf ebenso.
Wir geniessen den Sommerabend in der wunderschönen Innerschweiz. Richtig cool, mit Kollegen so einen Tag erleben zu dürfen. Da hat Alexander ein wahres Schmuckstück für mich/uns aus dem Ärmel gezaubert, eine richtige Urschweizer-Rundfahrt, eine „big round“.

Vielen herzlichen Dank Alexander für dein Guiding 👍

Hans und Reto verabschieden sich und fahren nach Hause. Ich platziere mein Büssli auf dem Camping in Buochs. Morgen steht nochmals ein Bikeday mit Alexander auf dem Programm …

Distanz: 64.6 km
Höhenmeter: 1’750 hm
Downhillmeter: 2’569 dm
Bike: Liteville 301 Mk14

3 Gedanken zu “Surenenpass – the big round”

  1. Super bericht und ich denke auch für mich könnte die langschneeige-abfahrt ein genuss werden, wenn ich mir die bilder da so ansehe. Macht an zum nachfahren, da die tour auch schon länger in meinem tourenordner bereitliegt. Wäre doch ne gelegenheit mal wieder zusammen onTour zu gehen @Ventoux 😉

  2. Hört sich nach ner coolen Tour an!
    Wir waren 2018 auf unserem Schweizcross dort und es war auch einfach ein Traum, auch wenn das Wetter etwas schlechter war.
    Aber diese Richtung hört sich auch gut an und sieht vorallem gut aus!

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