schöne Sicht, enttäuschende Trails

Die Tour beginnt für mich mit einer Einrollstrecke von St-Maurice nach Monthey, schön der schwarzen Wolke entgegen. Kommt das gut? Kurz vor Monthey sind die Strassen plötzlich nass. Ein Platzregen hat sich über dem Gebiet meiner heutige Tour entladen. Immerhin bin ich trocken geblieben. Pünktlich zum Aufstieg strahlt wieder die Sonne vom Himmel.

Der Uphill ist super gewählt. Schon kurz nach dem Dorf endet der Asphalt. Meine Stollenreifen rollen über die Kiesstrasse, während es meinen Schweiss aus allen Poren drückt. Die Feuchtigkeit, gepaart mit der Sommerwärme, lassen ein tropisches Klima entstehen.

Beim der obersten Alp endet die Strasse. Ab hier kommt mein Bike auf die Schultern. Der Pfad führt durch die Wiesen weiter aufwärts. Fast hätte ich mich verlaufen. Der Wanderweg ist sehr schlecht markiert und die Spur oft nicht klar zu erkennen.
Weit oben kann ich bereits ein Gipfelkreuz erkennen. Das muss meine „Schönesicht“ sein.

Nach 330 Höhenmeter Bikeschleppen erreiche ich den Pointe de Bellevue. Nicht nur ein Kreuz markiert den Gipfel, auch eine runde Panoramatafel. Und wahrlich, die Sicht ist belle. Fast das ganze Chablais kann überblickt werden, rüber nach Leysin, zu meiner gestrigen Tour unterhalb dem Dents de Morcles, und natürlich zum Lac Léman.

Meine Abfahrt führt durch ein kleines wildes Tal. Von oben sieht es richtig super aus.
Die ersten Meter sind sehr ausgesetzt, verblockt und meist unfahrbar. Egal denke ich, unten kommt es gut. Weit gefehlt. Der Pfad gleicht eine Geröllhalde. Nichts gegen Schottersurfen, aber dies ist sogar zum laufen eine Qual. Weiter unten kommt die nächste Enttäuschung. Der Weg ist verblockt und in schlechtem Zustand. Erst vor der Alp ist für mich durchwegs wieder alles fahrbar.

Jetzt freue ich mich auf die Querung und das Finale.
Das darf nicht wahr sein. Auch hier ist der Weg sehr schlecht unterhalten. Immer wieder ist der Pfad abgerutscht oder weggespült. Ein Teilstück ist mit einem Seil gesichert. Gerne nehme ich dieses zur Hilfe. Hoppla. Da endet das Stahlseil. Durchgerostet und aufgewickelt ziert es das Ende vom Felsenweg. So langsam müsste ich meinem Ärger Luft verschaffen. In dieser Gegen haben die Leute wohl kein Interesse an den zahlenden Gästen. Da schiessen mir die klassischen Vorurteile gegenüber unseren lieben Welschen Kollegen durch den Kopf.
Eine Hoffnung habe ich noch. Der Trail sieht auf der Karte herrlich aus. Unzählige Spitzkehren führen durch steiles Gelände in die Tiefe. Naja, zuerst müsste ich ihn finden. Auch hier ist der Weg sehr schlecht markiert. Dann folgen Bäume, natürlich quer über den Weg, wieder abgerutschte Partien. Alles wird durch die Feuchtigkeit vom morgentlichen Regenguss erschwert. Ich freue mich schon ab jedem fahrbaren Meter. Diese gibt es zum Glück auch. Der Trail wäre ein vorzügliches Dessert. Man müsste aber einige Stunden Arbeit in den Unterhalt stecken. Total schade, dass offiziell markierte Wanderwege so vergammeln.

Die richtig coolen Trailabschnitte habe ich auch gefunden. In der Summe ist die Abfahrt jedoch eine Enttäuschung. Das Highlight ist klar die schöne Aussicht auf dem Berg. Trailspass sucht man vergebens.
Die heutige Tour kann ich abhaken. Ab in den Mülleimer damit.

Das letzte Mal durch die schöne autofreie Gasse von St-Maurice, zurück zum Camping und ab nach Hause.
Hat das Chablais für uns Biker mehr zu bieten als das Erlebte? Irgend wann gibt es sicher wieder einen Versuch. Für den Moment habe ich jedoch genug davon und andere Pläne im Kopf.

Distanz: 49.7 km
Höhenmeter: 1’762 hm ( ca. 330 hm schieben/tragen)
Bahnunterstützung: keine
Höchster Punkt: Pointe de Bellevue, 2’042 m
Bike: Liteville 301 Mk14

Ein Gedanke zu „schöne Sicht, enttäuschende Trails“

  1. Teils sehr schlecht oder gar nicht unterhaltene Wanderwege, ja das kenne ich auch! Nicht nur vom Wallis!
    Gerade in diesem Jahr wo wir doch unsere Ferien bitte in den Bergen verbringen sollen und nicht am Meer, sollten die Touristikverantwortlichen ihre Wanderwege herausputzen sonst sind die Touristen nächstes Jahr wieder alle am Meer. Dann ist wieder gejammern angesagt 🙂

    Ich hoffe du findest nächstes Mal wieder bessere Verhältnisse vor. Lg Erika

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