unerwarteter Abschied

Wie in diesem Artikel geschrieben, geht eine lange Ära nicht so schnell zu Ende. Oder doch?

Ich bin über die vielen Festtage in den Süden geflüchtet. Weihnachten und Neujahr mal anders erleben, fernab von Verpflichtungen und Geschenkstress. Weg, mit dem Büssli in die Toscana. Weihnachten haben wir in Lucca verbracht, die vielen Lichter genossen, locker durch die Gassen geschlendert und eine Pizza genossen. Danach ging unser Trip weiter ans Meer. Barfuss durch den Sand laufen und ein Bad im kalten Salzwasser musste für mich sein. Der Gegensatz waren dann die Badetage in den warmen Quellen. Das schwefelhaltige und dampfende Wasser war herrlich. Die frei zugänglichen Badequellen sind eine Naturschönheit und für mich ein klares Muss in der Toscana. Nächste Station war Siena. Der Abschluss über Neujahr bildete Florenz.

Der Stadtcamping ist gut gelegen und kann super mit ÖV-Bus oder Velo erreicht werden. Wir (meine Partnerin, ihre Tochter und ich) haben die Fahrräder natürlich immer dabei. Daher war der Entscheid klar, wir pedalen im dunkeln die 5 Kilometer ins Zentrum. Heute ist Silvester und wir möchten die Stimmung und das bekannte Feuerwerk geniessen. Die Räder, jenes meiner Partnerin und meine beiden Liteville-Bikes (301 Mk14 und H-3) werden auf einem Platz geparkt. Hier hat es immer Leute, einen guten Veloständer und gleich nebenan die Polizei, welche den Zugang zur Altstadt sichert. Die drei Fahrräder habe ich mit meiner massiven Kette am Eisenrohr vom Fahrradständer zusammengekettet. Ab in die Stadt.
Einfach herrlich, den Silvester in einer fremden Stadt zu geniessen. Das Feuerwerk war nicht wie gewohnt. Verteilt in der Stadt, entlang vom Fluss Arno, gingen die Raketen hoch. Unser Blick schweift vom einem Ort zum Anderen. Super. Natürlich lassen wir den mitgebrachten Prosecco knallen.

Alles perfekt … bis zur Rückkehr zu den Bikes. Alles weg. Keine Spur von unseren geliebten Rädern. Ich stehe starr vor dem Veloständer. Das darf nicht sein. Mein Herz weint. Keine Spur, auch die Kette und die leuchtenden Hosenbänder sind weg, als hätten hier nie unsere Bikes gestanden. Krass, ich kann es kaum in Worte fassen. Würden die Täter vor mir stehen, ich würde sie eigenhändig erschiessen.
Ich bin überzeugt, dass es sich nicht um zufällige Täter handelt. Es sind perfekt organisierte und ausgerüstete Täter, mit massivem Werkzeug, Lieferwagen …

Der Gang zur Polizei war übrigens vergebens. Niemand interessiert es, niemand möchte zuständig sein. Ich kann den Fall nicht aufnehmen, da das System nicht läuft … werde von Carabinieri zur Polizei verwiesen …
Alle Polizeiarten waren in der Stadt sehr präsent. Aber sie fahren lieber mit ihren geheizten Autos und toller Uniform umher, als sich um irgend einen Diebstahl zu kümmern. Aber sind wir ehrlich, genutzt hätte es sowieso nichts. Die Bikes sind weg und nicht mehr auffindbar.

So schnell geht eine Ära wirklich zu Ende. Aber ich vermisse meine beiden Litevilles sehr. Das 301 hat mich auf so vielen tollen Touren in den Bergen begleitet, hat so viel Unvergessliches mit mir erlebt. Und das Hardtail, das H-3 hätte Ende 2026 das 10-jährige Jubiläum. Ich liebte dieses Bike, strampelte damit die meisten Kilometer ab. Das H-3 ist meine Trainingspartnerin, es gehört einfach zu mir.
Irgendwie entsteht bei mir eine Freundschaft zum Bike. Ich weiss, ich bin sehr sentimental, kann sogar eine Träne wegen einem Fahrrad vergiessen … aber alle meine Bikes habe ich selber zusammengebaut, gefahren und gepflegt. Sie sind ein Teil von mir, haben mir sehr viel Freude und Spass ermöglicht …

Tschüss meine beiden sehr geschätzten Litevilles, ich habe euch sehr geliebt …

10 Kommentare zu „unerwarteter Abschied“

  1. Hallo Rotscher
    Das ist ja das worstcase szenario sondergleichen. Kann mir gut vorstellen wie dir zu Mute war. Mir würde es genauso ergehen. Ich kann gut Nachvollziehen wie es ist sein geliebtes Bike so plötzlich und unverhofft zu verlieren. Das zeigt mal wieder was für Mafiosis dort rumlaufen. Und das beste Schloss nicht sicher genug ist. Ihr habt ja nicht 2 sondern gleich 3 Bikes verloren. Möchte dir Mut machen und hoffentlich kannst du bald wieder nach vorne schauen. Nimm dieses Szenario wahr und schaue dich nach einem E-Bike um.
    Wünsche dir trotz dem schlechten start ins neue Jahr alles Gute
    Hans
    vivalagrischa

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  2. Tut mir Leid! Es geht mir ebenso. Ein Bike eine Jacke, die mich über Jahre begleitet hat, das verbindet. Mein altes Bike ist im Ferienhaus in Südfrankreich ( sozusagen im Ruhestand). Aber ich mache immer noch Touren, wenn das andere nicht dabei ist. Hoffe Du kannst etwas mit der Versicherung machen.

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  3. Oh man, schlimmer hätte der Start ins neue Jahr wohl nicht ausfallen können 🙁 … ich würde durchdrehen, wenn gleich beide meine Litevilles gestohlen würden, denn wie du schon geschrieben hast, sind dies vielmehr als einfach nur «Bikes» für uns 😉

    Aber auch wenn sie dieses Stück Scheisse erwischen, er würde weder bestraft noch ausgewiesen werden und schon am nächsten Tag genau gleich weitermachen. Einfach nur traurig diese Entwicklung in unserer Gesellschaft …

    Ich hoffe dass du wenigstens von der Versicherung unkompliziert den ganzen Wiederbeschaffungswert erhalten wirst, auch wenn das die beiden geliebten Litevilles nicht zurückbringen wird.

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  4. Was für eine Scheisse! Sorry für meine Wortwahl, aber da geht ja gleich der letzte Funken an Vertrauen verloren und Land und Leute verlieren an Sympathie. Und all das „nur “ wegen ein paar A…löchern.
    Wie ich dich kenne, kann dich das aber nur kurzfristig bremsen und schon bald wirst du valablen Ersatz für deine Bikes suchen und auch finden. Ich hoffe, deine Versicherung deckt ein Teil des Schadens und wünsche dir Glück und Erfolg bei der Evaluation.
    Alles gueti für 2026 – keep on biking

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  5. Es tut mir sehr leid

    Leider zeigt auch dieses Ereignis, wie das Verhalten weniger Einzelner die Gastfreundschaft eines ganzen Landes trüben kann.
    Der materielle Schaden mag ersetzt werden, doch der schmerzhafte emotionale Aspekt bleibt leider bestehen….Leider

    Das ereignis hat mich persönlich sehr betroffen gemacht. Ich wünsche dir viel Kraft und hoffe, dass du den Kopf hochhalten kannst. Deine Freundschaft bedeuten uns MTB-Freunden sehr viel.

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  6. Kann – auch wenn ich bisher vor solcher Unbill verschont blieb – nachvollziehen, was du empfunden hast, als die Räder nimmer dort waren. Auch deine „Beziehung“ zu den Bikes verstehe ich nur zu gut. Man erlebt mit diesen Dingen so viel, dass sich zwangsweise eine Art Liebe entwickelt, so blöd sich dies liest. Vermutlich jedoch geht das nur sensiblen Menschen so, für viele andere sind Velos nichts anderes als ein bisschen Alu, Carbon, Gummi. – Weiss ja nicht, ob du mittlerweile schon ein neues Bike dein eigen nennst, sonst aber: das neue Liteville (???) sei nur noch super, habe ich von einem Bekannten gehört, der sich ein solches gekauft hat, und dies auch noch mit an die 50 Prozent Preisermässigung. Andererseits meine ich gehört zu haben, dass Liteville aufgegeben habe. Keine Ahnung. Wäre dem so und ich müsste mich nun entscheiden, würde ich das ARC 8 GX AXS kaufen. Mein Sohn fährt ein ARC (???) Fully – glänzende Äuglein… – Und noch dies: ein gutes neues Jahr.

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  7. Schade Rotscher, da kann ich sehr Mitfühlen. Das ist jeweils mein Albtraum, dass irgendwo meine/e Bikes geklaut werden. Aber das Leben geht weiter, ist am Ende ja nur Stahl und Plastik. Hoffentlich kriegst du einen Ersatz und so oder so kann damit das Jahr nur besser werden. Alles Gute und bleibt gesund. Spoony

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  8. Danke euch allen für die lieben Kommentare. Ich kann euch beruhigen, ich blicke nach vorne. Ein Hardtail-Ersatz ist bereits im Stall vorhanden. Und habe mit fetten Schlösser aufgerüstet 😀

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Danke für deinen Kommentar !