Tibetfeeling

Auf den heutigen Tag bin ich besonders gespannt. Zu Beginn wechseln wir die Kultur und versetzten uns ins ferne Tibet.
Die Tibethütte, das Hotel etwas oberhalb der Passhöhe vom Stilfserjoch, wurde als Turmbau nach tibetanischem Vorbild um die Jahre 1960 erbaut. Genau dort beginnt der Pfad runter nach Trafoi. Somit hat dieser Weg unter den Bikern den Namen Tibettrail erhalten.

Die Wetterstimmung ist einmalig. Der Nebel drückt vom Tal hinauf und beschert uns einen Nebelteppich, welcher sich aber schnell auflöst.
Wir sind etwas verwirrt. Führt der Trail nicht abwärts? Wir folgen den spärlichen Markierungen durch die Steinwüste ein paar Meter aufwärts. Doch, das muss er sein. Nach der kurzen Traverse sehen wir die Spur. Herrlich! Die Stollenreifen versuchen im losen Schotter etwas Halt zu kriegen. Das Gefühl ist wie im Schnee, etwas schwammig. Dafür ist der Trail nicht sonderlich anspruchsvoll und die Kehren sehr gut zu meistern. Das habe ich mir anhand der Berichte anders, also anspruchsvoller, vorgestellt. Aber kein Problem. Den Trail finde ich Spitze. Die grösste Schwierigkeit ist das lose Material. Je weiter unten, umso griffiger und schneller wird es. Der Ausläufer vom Gletscher wechselt in eine Alpwiese.

Wir erreichen die Passstrasse bei der Franzenshöhe. Das war es wohl, Ende Tibetfeeling.

Nach den paar Metern Asphalt, biegen wir wieder ab in den Trail. Schliesslich sind bis Trafoi noch einige Höhenmeter zu vernichten.
Die Vegetation hat wieder geändert. Nadelbäume und -sträucher umgeben uns. Ebenso hat die Unterlage vom Pfad geändert.
Ende vom Tibetfeeling? Dieser Gedanke ist schnell vergessen. Die Gedanken sind auf dem Tibettrail vor meinem Rad. Der Trail ist teils richtig knackig. Schmal, steil, viele Absätze und Wurzeln, unzählige sehr enge Spitzkehren ….. richtig mein Ding, die Krönung von diesem Trail.

Unten am Bach treffen wir auf einen riesigen, leeren Gebäudekomplex. Auf der Karte habe ich gesehen, dass es sich um eine alte Caserma Scuola Alpina handelt.
Wir fahren wieder ein Stück taleinwärts, um den Wasserfall zu sehen. Die Bergwelt ist einfach eindrücklich und wunderschön, von oben wie auch von unten.

Dem Bachtrail folgen wir bis auf die Höhe von Trafoi. Mit dem unendlich langen Sessellift gönnen wir uns viele Gratishöhenmeter, hinauf zur Furkelhütte. Da wären wir also wieder, wie gestern. Du kannst es sicher erahnen. Gestern haben wir den Piz Chavalatsch bestiegen, heute folgt der zweite Teil vom Goldseetrail, der Höhenweg über die Silfser Alm bis zur Glurnser Alm.

Auf die Abfahrt von der Glurnser Alm ins Tal Richtung Glurns freue ich mich sehr. Vor einigen Jahren habe ich diese Abfahrt nach dem Goldseetrail auch gefahren und in sehr toller Erinnerung gehabt. Schon bald kommt die Ernüchterung. Der Trail gleicht einer gebauten und ausgefahrenen Bikeparkpiste. Weil es sich aber nicht um einen Bikepark, sondern um einen Pfad in der Natur handelt, ist es für mich ein zerstörter Trail. Ein Resultat der Shuttlebiker, die ja im Vinschgau so sehr gefördert werden.

Wir versuchen die Höhe zu halten und fahren nicht bis ganz ins Tal. Unser Ziel ist, nach Taufers im Münstertal zu kommen. Schaffen wir es noch? Nein. Nicht wegen der fehlenden Kondition, sondern wegen dem einsetzenden Regen. Muss das noch sein? Wir werden auf den letzten Kilometern wunderbar durchnässt. Umso mehr haben wir im schönen Gasthof, wo wir in Taufers übernachten, das feine und grosszügige Nachtessen verdient.
Morgen folgt bereits der letzte Tag, eine Chillout Tour zurück in die Schweiz, nach Sta.Maria.

Distanz: 40.7 km
Fahrzeit: 3:52 h
Höhenmeter: 1’083 hm
Downhillmeter: 3’193 dm
Bike: Liteville 301 Mk11

Tag 1: Bocchetta di Forcola
Tag 2: Piz Chavalatsch
Tag 3: Tibetfeeling
Tag 4: Cruschetta-Costainas

 

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