Brake Force One – Fazit vom Langzeittest

Fast ein ganzes Jahr habe ich die Brake Force One Bremse an meinem Bike getestet. Höchste Zeit ein Fazit zu ziehen. In dieser Zeit musste sie sich auf staubtrockenen Trails, in der Nässe, im Schnee, auf unzähligen Downhillmetern oder einfach beim normalen Einsatz auf vielen Kilometern behaupten.
Was meine Erfahrungen und Erlebnisse mit dem edlen Stück war, erfährst du hier.

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Eines vorneweg; das Jahr mit der BFO war geprägt von Höhen und Tiefen. So haben es die Umstände ergeben, dass ich bis anhin nur zwei Berichte darüber verfasst habe. Hier die Links dazu:
Wie sie an mein Bike kommt
Anfangsschierigkeiten im Griff

Bremssattel:
Das aus Alu CNC gefräste Teil sieht sehr edel aus und ist top verarbeitet. Die Optik ist immer auch Geschmacksache, aber ich finde sie sehr schön. Als einziger Kritikpunkt kann ich hier nur den Abgang der Leitung feststellen. Für mein Liteville 301 wäre eine Leitungsführung nach hinten idealer. Den Leitungsabgang kann man zwar etwas verstellen, jedoch nicht so stark, dass ein Abang nach vorne und hinten möglich ist.

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Bremshebel:
Diese unterscheiden sich ziemlich von den sonst gebräuchlichen Hebeln. Die Form der Hebel wurde absichtlich so gewählt, dass sie nur mit einem Finger betätigt werden kann. Die Griffigkeit empfinde ich als sehr gut. Sie liegen schön am Finger. Die gesamten Hebel sind sehr schlicht und klein gehalten. Dies war nur möglich, da die Bremse über keinen Öl-Ausgleichsbehälter verfügt.
Mit der Schraube kann das Spiel zwischen Belägen und Scheibe eingestellt werden. Was bei anderen Bremsen automatisch funktioniert, kann/muss an der BFO manuell geschehen. Das empfinde ich keinesfalls als Nachteil. Dadurch kann man die Stopper gut nach seinen Bedürfnissen einstellen und hat auch ein Schleifen der Scheibe klar im Griff.
Auch hier kann ich nur einen einzigen negativen Punkt erwähnen. Es ist ein kleiner Riss am Gehäuse wo die Schraube der Lenkerfestigung eingeschraubt wird. Wieso dieser entstand ist mir unklar. Die Schrauben dürfen auf keinen Fall zu stark angezogen werden.

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Bremsbeläge:
Ich bin die gesamte Zeit mit den Originalbelägen von BFO gefahren. Diese ernten von mir kein Lob. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schienen die neueren Serien besser zu sein. So haben sie auf vielen Kilometern ihre Arbeit recht gut geleistet. Im Herbst hatte ich jedoch zwei Mal einen massiven Ausfall. Ich stellte das Bike nach einer Tour in die Ecke. Die Bremsen haben gut funktioniert. Auf der nächsten Tour hatte ich ohne etwas am Bike zu machen nur noch maximal 50% der Bremsleistung. Ich konnte voll zudrücken, aber die Scheibe schliff durch. Das hat mich auf den Abfahrten ein paar Mal in kritische Situationen gebracht. Einmal war es die Hinterradbremse und einmal jene am Vorderrad. Das eine Mal waren die Beläge schon über 3/4 runtergefahren. Daher habe ich sie ersetzt. Beim zweiten Mal waren die Beläge noch keine 1/4 runtergefahren, also relativ neu. Zu Hause habe ich sie gereinigt und angschliffen. Alles umsonst. Fast neue Beläge zum fortschmeissen. Schade.
Ebenfalls muss ich die Bremsleistung bei Nässe bemängeln. Vor allem wenn es wirklich richtig nass war, hatte ich bei der Betätigung des Bremshebels die ersten 1-2 Sekunde fast null Bremsleistung. Danach setzte sie ein. Dieses Phänomen hatte ich bei allen bereits gefahrenen Bremsen nicht so stark. Das Gleiche gilt auch im Schnee. Da war es teilweise sogar noch viel schlechter.
An den Belägen ist noch klarer Nachholbedarf. Mit so schlechten Belägen kann der Rest der Bremse noch so gut sein, es verdirbt einem den Appetit zum Biken.

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Auf dem Trail:
Wie erwähnt, durchfuhr ich viele Höhen und Tiefen mit der Bremse. Viele Tiefs gehen auf das Konto der Beläge. Was die Bremsbeläge ausmachen war für mich eine neue Erfahrung. Mir war klar, dass es Unterschiede bei den Belägen gibt. Dass diese aber so stark ausfallen können, hat mich erstaunt. Erst recht hat mich auch erstaunt, dass solche nicht brauchbaren Beläge auf den Markt gelangen.
Was leistete die Bremse aber in meinen erleben Höhen, also da wo sie einwandfrei funktionierte? Ehrlich gesagt habe ich bis zum Schluss immer auf den Aha-Effekt gewartet. Die Neuheit wurde als Wunderbremse angepriesen. Das ist sie aus meiner Sicht klar nicht. Sie packt bestimmt sehr gut zu, was andere aber auch machen. Ich empfinde die Bremspower jedoch nicht besser als bei anderen Top-Bremsen. Auch die Endkraft am Hebel ist meiner Ansicht nach nicht geringer. An der BFO spührt man nach vielen hundert Downhillmetern am Stück die selben Müdigkeiten.
Zu erwähnen sind noch die Eigenheiten der Bremse. Die Funktionsweise mit dem Bremskraftverstärker lässt sie etwas anders bedienen als herkömmliche Bremsen. Der sogenannte Druckpunkt ist fein spührbar. An diesen gewöhnt man sich jedoch schnell. Auch an die linearere Bremswirkung.

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Fazit:
Optisch eine wunderschöne und sehr gut verarbeitete Bremse. Wenn die Mängel mit den Belägen behoben sind, eine sehr gute und wahrscheinlich zuverlässige Bremse. Viel mehr Bremspower als bei anderen Marken sollte man sich jedoch nicht erhoffen.

Wenn ich die vielversprechende Werbung und den sehr hohen Preis anschaue, so erwarte ich eine Bremse die wirklich mehr leistet als jene der Konkurrenz. Leider ist dies nicht der Fall. Daher würde ich sie persönlich nicht kaufen. Nach meinen Erfahrungen erhält man für einiges weniger Geld ebensoviel Power wie bei der Brake Force One.

Nach gut 4’000 km und 100’000 Downhillmetern habe ich die Bremse vom Bike geschraub. Sie geht zurück an Trail Supply AG, von wo ich sie zu Testzwecken bekommen habe. An dieser Stelle nochmals herzlichen Danke an Stefan!

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2 Gedanken zu “Brake Force One – Fazit vom Langzeittest”

    • Die Rückgabe der Bremse habe ich genutzt, mir eine Neuanschaffung zu gönnen. Dies war die Shimano XT. Nun bin ich diese über den ganzen Sommer gefahren und bin sehr zufrieden damit. Kurz gesagt eine Bremse die ich wieder kaufen würde und zu empfehlen ist.

Danke für deinen Kommentar !

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