Tièche NoWay

Ab heute ist Kurt mit mir im Wallis unterwegs. Und gleich starten wir mit einer Entdeckungstour. Der wunderschöne Talkessel von Tièche kenne ich sehr gut, wurde unzählige Male schon besucht. Auf direktem Weg von Montana, über den Petit Mont Bonvin, danach über die Bikeroute oder über die Varneralp …
Etwas blieb bis jetzt jedoch unentdeckt. Das soll sich heute ändern.

Die Drahtseilbahn ist ein idealer Einstieg in den Tag. Danach kommt der lange Aufstieg. Meist baue ich die Bisse de Tsittoret in die Route ein, auch heute. Oje, seit kurzem steht hier ein markantes Bikeverbot. Augen zu und durch. Retour fahren wir sicher nicht mehr. Aber in Zukunft muss und soll die Bisse gemieden werden. Ich kann gut damit leben, ist sie doch bei Ausflügler sehr beliebt, als Verbindung von Montana nach Tièche und/oder zu den Restaurants.

Der Weg wird immer steiler. Hinauf zum Petit Mont Bovin glühen die Beinmuskeln und das grösste Kettenblatt wird beansprucht.
Der Aufstieg lohnt sich immer. Ab hier sehen wir wunderschön in den Talkessel von Tièche.

Der Trail durch die Bergflanke, oberhalb der Felswand, ist wunderschön. Je weiter wir hinten in den Talkessel gelangen, umso besser wird der Einblick, der Einblick in das abgelegene kleine Tal oberhalb vom Wasserfall.

Der weitere Verlauf vom Trail führt mitten in der Steinwüste hinunter, vorbei am Wasserfall. Dieser Wasserfall hat mich immer fasziniert. Es scheint, als würde das Wasser aus einem Loch sprudeln und über die Felswand in die Tiefe fallen. Jedes Mal bei der Vorbeifahrt war mir klar, den Wasserfall muss ich entdecken, sehen wo und wie das Wasser verläuft.

Genau, deshalb führt unser Weg nicht in die Tiefe, ans untere Ende vom Wasserfall, sondern durch dieses kleine Tal, diese Talmulde. Über Wiesen erreichen wir den Ausfluss der beiden Wasserfälle. Der Erste ist etwas kleiner als der markante Zweite.
Genial. Das Wasser hat sich über die Jahrhunderte durch die Felsen gebohrt, diese glatt geschliffen und sich so den Weg aus dem Tal gesucht. Ein oberflächlicher Ablauf vom Wasser ist in dieser Senke nicht möglich.
Ich bin fasziniert. Beim grossen Wasserfall fliesst das Wasser durch eine tiefe, enge Schlucht, bevor es ganz aussen über die Felswand fällt. Durch diesen engen Spalt erscheint es von unten als ob das Wasser durch ein Loch die Freiheit sucht.

Dieser Besuch oberhalb der senkrechten Felswand, dem Ursprung vom Wasserfall hat sich gelohnt. Mich faszinieren solche Naturschönheiten. Kein Wunder bin ich als Biker eher der Abenteurer als der normale Funbiker.

Die Talmulde Les Outannes zieht sich in die Länge. Erstaunlicherweise ist der gesamte erste Teil sehr gut fahrbar. Die Felswand ist von hier nicht spürbar. Die Mulde präsentiert sich sanft, eine einsame Naturschönheit.

Weit hinten ändert sich das Terrain. Felsbrocken versperren den Weg. Die fahrbaren Meter werden nur noch in kleinen Häppchen präsentiert.

Der offizielle Wanderweg führt nun hinauf über den nächsten Pass zur Lämmerenhütte. Wir möchten jedoch wieder Richtung Haupttal. In meinen Recherchen habe ich gelesen, dass man über die steile Geröllhalde zum Bergkamm aufsteigen kann. Wir sehen uns nach der idealen Stelle um. Das Bike ist auf den Schultern, unsere Beine an der Arbeit. Der Hang ist extrem steil. Wir kommen nur langsam voran, nach dem Motto „drei Schritte vorwärts, einer zurück“. NoWay, wir stecken mitten im Abenteuer 😁

Geschafft. Herrlich. Auf der einen Seite sehen wir den Aufstieg mit dem Tal Les Outannes, auf der anderen Seite ins Walliser Haupttal. Weiter vorne ist unsere Route mit dem Petit Mont Bonvin zu sehen.

Der Plan wäre eigentlich die Gipfelbesteigung gewesen. Von hier führt der Weg nochmals gute 300 Höhenmeter aufwärts. Leider müssen wir den Plan verwerfen. Wir haben zu viel Zeit beim Wasserfall verbracht, wobei mir das wichtig war. Es war echt faszinierend. Wanderer kommen entgegen. Wir erkundigen uns nach den Schneefeldern, die von unten sichtbar sind. Ja, diese müssen in der steilen Bergflanke über eine längere Distanz überquert werden. Ein weiterer und guter Grund für den Entscheid, den Gipfel auszulassen.
Ich werde also wieder kommen. Der Gipfel muss irgend wann bezwungen werden.

Hinein in die Abfahrt. Nach dem kräftezerrenden Aufstieg, der leisen Enttäuschung vom verpassten Gipfel, zeigen die Mundwinkel wieder nach oben. Der Trail bietet alles. Zuerst steinig, rutschig, dann erdig, verspielt.
Tièche wäre von unserer Aufstiegsstrecke auf direktem Weg in einigen Minuten erreicht, wir benötigten mit unserer Streckenführung einige Stunden.

Der Rest ist schnell erzählt. Über die Bikestrecke, den anschliessenden Trailspass, die Direttissima, eine Suone, den Rebberg, etc. erreichen wir unseren Camping zwischen Sierre und Salgesch.
Auf Bilder habe ich verzichtet, nur den Flow genossen. Dafür gab es ein paar Videoaufnahmen. Mal sehen ob ich überhaupt dazu komme, diese zu einem Kurzfilm zu verarbeiten.

Distanz: 34.3 km
Höhenmeter: 1’441 hm
Downhillmeter: 2’357 dm
Bahnunterstützung: Drahtseilbahn Sierre – Montana
Bike: Liteville 301 Mk14

4 Gedanken zu „Tièche NoWay“

  1. Faszinierender Bike Bericht, Gratulation zu dieser aussergewöhnlicher Trip.
    Es ist immer spannend deine Bike Ausflüge zu lesen, jedes Mal gibt es Highlight
    dabei die spannender nicht beschrieben werden können. Die Bilder sprechen für sich.
    Freue mich auf den nächsten Bericht. Frage: gibt es keine GPS Daten zu deinen Abenteuer dazu.!?
    Sportliche Grüsse Biker Charles

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  2. Ciao Roger

    Schöne Beschreibung! Den Pass zur Lämmerenhütte habe ich diesen Sommer gemacht, inkl. Schwarzhorn. Allerdings in umgekehrter Richtung (also von der Lämmerenhütte her). Das war super, für mich ein Highlight. In die Richtung zur Lämmerenhütte ginge es auch ganz gut, allerdings müsste dann das Bike eine Steilstufe heruntergetragen werden.

    Gruess
    Andy

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    • Hallo Andy
      Ganz cool. Danke für dein Feedback. Ich habe mir auf meiner Tour auch überlegt, ob Pass und Gipfel sinnvoll sind. Dann wandert diese Variante gleich in meine ToDo Liste 🙂
      Ich würde aber auch deine Richtung wählen, damit es eine sinnvolle Runde gibt. Die Gemmi ist ja Bikeverbot und von Leukerbad kann die Gondel benutzt werden.
      Gruss, Rotscher

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      • Oder mit der Bahn von Kandersteg her nach Sunnbüel. So habe ich das auf jeden Fall gemacht. So gibt es eine schöne Überschreitung BE => VS.

        Gruess
        Andy

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