Les Crêtes

Nach der gestrigen sehr anstrengenden Hammertour, gönnen wir uns heute den gelben Shuttle. Das Postauto fährt von Sion nach Nendaz. Naja, eines dieser grossen Bergdörfer, welche nicht gerade mit viel Charme glänzen, gebaut für den Wintertourismus.

Ein brutal steiler Kaltstart bringt die Pumpe bereits an den Anschlag. Da würde es sicher einen angenehmeren Anstieg geben. Geschafft, die Strasse ist erreicht. Jetzt rollen die Bikes angenehm über die Alpstrasse ins Val de Nendaz. In Siviez gönnen wir uns einen letzten Kaffee, und ja, die zweite Bahnunterstützung.

Weiter geht es auf einem Naturweg, der für das Skigebiet gebaut wurde. Ende. Mitten im Hang endet die Strasse, der fahrbare Teil. Der anschiessende Wanderweg, der nicht als solches sichtbar ist, führt in direkter Line über die Skipiste den Berg hinauf. Im Winter, wenn alles weiss überzogen ist, mag die Gegend sicher toll sein. Aber jetzt im Sommer nicht mein Ding.

Auf meiner ToDo-Liste steht die Tour über den Mont Rouge und Mont Carré. Der Trail führt über einen Kamm und beinhaltet diese beiden Berge. Beim Kartenstudium sticht mir jedoch die gesamte Krete ins Auge. Der Trail beginnt bereits hier, wo wir jetzt stehen.
Irgendwie faszinieren mich diese Kretenwege. Aber wie gut sind sie fahrbar? Im Vorfeld wurden bereits Bedenken angemeldet. Trotzdem, mein sturer Kopf möchte das aus eigener Erfahrung erleben. Vielleicht treibt die Abenteuerlust zu solchen Projekten?

Ein paar Meter sind fahrbar, dann folgt etwas Fussmarsch. Im dauernden Auf und Ab kommt kein wirklicher Flow auf. Wir geniessen jeden Meter auf dem Bike, jede technische Herausforderung. Landschaftlich ist es hier oben auf dem Kamm super, ein ganz toller Pfad.

Der letzte Berg stellt sich uns in den Weg, der felsige Mont Loéré. Hier müssen sogar abwärts die Bikes ein gutes Stück geschultert werden, eine richtige Kraxelei.
Ein kurzer Blick zurück bevor wir auf die Bikes steigen. Wow, was ist dort zu sehen? Zwei Steinböcke, welchen unsere Anwesenheit überhaupt nicht stört.

Die Wolken ziehen über die Krete. In der einen Minute sind wir dicht eingehüllt, in der anderen Minute erhaschen wir einen Blick ins Tal. Die tolle Wetterstimmung hat David mit einem super Zeitraffer festgehalten. Danke David 👍

Unter uns liegt der Passübergang vom Mont Rouge. Die meisten Biker wählen diese Aufstiegsstrecke. Vom fahrbaren Anteil sicher die bessere Variante, vom Abenteueranteil muss der Kretenpfad bevorzugt werden.

Das Gipfelkreuz auf dem roten Berg ist erreicht, kurz danach der Mont Carré. Diese Krete ist richtig stimmig, super fahrbar. Die Höhenmeter sind hinter uns, jetzt kann definitiv in den Abwärtsmodus geschalten werden.
Die grosse Ernüchterung kommt bei Thyon. Nicht wegen dem Trail, nein, diese Grossstadtsiedlung auf dem Berg ist einfach nur hässlich.

Schnell vorbei an dem braunen Koloss, ab in den nächsten Trail. Hier sind die alten Überreste einer Drahtseilbahn sichtbar.
Genial dieser Trail, endlos und abwechslungsreich. Kurz vor dem Talboden erreichen wir die Strasse und ein Restaurant. Die letzte Erfrischung und dann der letzte Trail.

Kreten sind oft schwer einzuschätzen. Fahrbar oder nicht? Lohnenswert oder nicht?
Mir hat der heutige Tag gepasst. Für mich gehört der Entdecker- und Abenteuerdrang zu einer solchen Tour. Aber gerade in einer Gruppe ist es schwierig, ob alle Anderen dies auch so sehen. Da kommt in mir schnell mal ein schlechtes Gewissen auf. Gut habe ich heute nur lauffeste Begleitung dabei 😁. Und immerhin hat die super Abfahrt den mühsamen ersten Teil gut kompensiert.

Zusammengefasst, die Crête d’Essertse ist mehr Bike und Hike, die Crêtes de Thyon voll biketauglich. Bahnunterstützung sorgt für angenehme Höhenmeter, dafür muss das Skigebietfeeling akzeptiert werden.

Danke Marie, Ändu, David und Fritz für die Begleitung 😉

Distanz: 29.1 km
Höhenmeter: 1’081 hm
Downhillmeter: 3’184 dm
Bahnunterstützung: Postauto Sion – Nendaz | Sessellift Siviez – Combatzeline
Bike: Liteville 301 Mk14

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