Emosson-Salanfe

Der Herbst glänzt an diesem Weekend mit fast stahlblauem Himmel und viel Sonnenschein. Das muss ausgiebig genutzt werden … zwei Tage Abenteuer im Unterwallis.

Hier den Link zum Tag 1.

Tag 1

Mit Beat und Sven besteige ich in Martigny die Eisenbahn nach Finhaut. Unser Wunsch wäre gewesen, mit dem Postauto bis zum Lac d’Emosson hoch zu fahren. Aber jetzt im Herbst ist es teils schwierig, mit dem öffentlichen Verkehr an die abgelegenen Orte in den Bergen zu kommen. Dieser Postautokurs fährt nur im Sommer. Darum gibt es ein paar zusätzliche Höhenmeter.

Viel Betrieb herrscht hier oben nicht mehr. Wir gönnen uns eine kurze Kaffeepause, bevor es in die Einsamkeit geht.

Der Emosson-Stausee ist riesig und zieht sich in die Länge, hinein ins Vallon de Barberine. Fast zuhinterst endet das Strässchen und wir müssen unsere Bikes schultern. Der Aufstieg zum ersten Pass ist durchwegs unfahrbar, 526 Höhenmeter bikeschleppen.

Auf dieser Wanderung lohnt sich, einen Blick rückwärts zu richten. Unter uns leuchtet türkisblau der hintere Teil vom Stausee, wie im Bilderbuch.
Endlich wird die Vegetation spärlicher, der Untergrund steinig. Der Pass liegt kurz vor uns.
Der Col de Barberine hat eine Höhe von 2’482 Metern. Auf der einen Seite blicken wir runter zum Lac d’Emosson und auf der anderen Seite ins einsame Vallon d’Emaney. Ein herrlicher Platz hier oben.

Der Wind bläst zügig über den Bergrücken. Wir montieren die Windjacken und verpflegen uns an einem windgeschützten Plätzchen unterhalb der Passhöhe. Viel Zeit möchten wir nicht verlieren. Der nächste Übergang ist bereits sichtbar.

Auf der rutschigen Schotterhalde gleiten wir langsam abwärts. Eine kurze Felsenpassage muss zu Fuss bewältigt werden. Dann nimmt der Grip unter den Stollen zu. Immer schön technisch fordernd geht es bis Bella Combe, dem Ende vom Vallon d’Emaney.

Der Wegweiser auf dem Felsbrocken weist in drei Richtungen. Das Vallon d’Emaney runter, hinauf zum Col de Barberine wo wir herkamen, und hinauf zum Col d’Emaney, unserem nächsten Ziel.

Die vernichteten Höhenmeter müssen wir wieder abverdienen. Auch in diesem Aufstieg ist nicht an Fahren zu denken. Umso mehr kann dafür die Natur genossen werden. Wir begegnen einer Rinderherde und kurz darauf sogar exotischen Yaks.
In diesem kleinen Tal fühlt man sich im Niemandsland, weit weg von der Zivilisation.

Die 464 Höhenmeter bikeschleppen zerren langsam an den Kräften. Beat war kürzlich krank und nimmt es etwas gemächlicher.
Auf 2’462 Metern stehen wir auf dem Col d’Emaney. Herrlich. Unter uns liegt der Lac de Salanfe. Auch die Ziele von Morgen sind bereits zu sehen. Der Talkessel vom Salanfe ist wunderschön. Ich bin nicht das erste Mal hier, aber wieder überwältigt.

Bei diesem starken Wind fällt die Pause kurz aus. Es zieht uns in die Abfahrt.

Die Auberge, unser Ziel am Stausee, ist zu sehen. Nichts wie los.

Die ersten flowigen Meter lassen uns fast übermütig werden. Dann folgt ein ebenso schönes, verblocktes Spielfeld, bis das Grün langsam wieder Überhand nimmt und das Tempo gesteigert wird.
Mitten in der Abfahrt treffen wir auf David. Er ist uns entgegen gelaufen und wird uns am morgigen Tag begleiten.
Die letzten Meter führen oberhalb vom See bis zur Staumauer. Wir können das verdiente Bierchen schon fast riechen.

Die Abendsonne glitzert im Wasser vom Stausee, während wir zufrieden auf der Terrasse der Auberge sitzen.
Diese Querung von Stausee zu Stausee war für mich ein wahrer Leckerbissen. Ich liebe solche Abenteuertouren, solche einsamen Gegenden und tolle Landschaften.
Aber Achtung, die Aufstiege sind nur mit bikeschleppen zu bewältigen und die Abfahrten grösstenteils noflow. Ideal für eine bestimmte Spezies von Bikern 😁

Alle Plätze in der Auberge sind belegt. An solch schönen Herbsttagen ist eine Reservation ein Muss.
Jetzt freue ich mich auf das Nachtessen, der Hunger ist riesig. Der Körper muss mit neuer Energie geladen werden, morgen wird es nochmals anstrengend. Und mal sehen wie die Nacht im Massenlager wird …

Distanz: 20.3 km
Höhenmeter: 1’822 hm (ca. 1’000 hm tragen)
Downhillmeter: 1’103 dm
Bike: Liteville 301 Mk14


5 Gedanken zu „Emosson-Salanfe“

  1. Oh, diese erinnerungen kommen jetzt gerade richtig in dieser beängstigenden zeit, wo erfreuliche nachrichten eher mangelware sind. Diese zwei tage waren abenteuer pur und ich hätte nicht gedacht, dass auf der ersten etappe über die zwei pässe soviel fahrbar sein würde 8) Das feeling hoch über den stauseen unterwegs zu sein ist ganz speziell und in flow sind wir ja trotzdem gekommen, halt einfach in den der spezies entsprechenden techflow *g* … ich hoffe wir könne bald wieder gemeinsam solche erlebnisse geniessen 😉

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    • Ja Sven, ich hoffe auch sehr, dass wir die Hochsaison noch voll geniessen können, ohne Coronaviren und Einschränkungen. Die gemeinsamen Touren würden mir sehr fehlen 🙂 … dir gute Gesundheit.

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  2. Danke Roger, das ist wieder ein super Bericht und Hammerbilder! Ich sag’s immer: Die schönsten Touren sind die, wo man mit dem E-Bike nicht hinkommt 🙂

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  3. Hey, das macht aber Lust auszurücken! Superfotos. Terrain nach meinem Geschmack. Bike schleppen… na klar. Danke für diesen tollen Bericht und die Inspiration.

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