Fronalppass

Fronalppass

Bevor am Wochenende eine Schlechtwetterfront über die Schweiz zieht, nutze ich meinen Ferientag für eine Biketour. Diesmal soll es das Glarnerland sein.
Hans hat mir einen vom Internet runtergeladenen Track zugespielt. Dieser wird gleich getestet.

Das Auto parkt in Weesen. Entlang der Linth rolle ich bis Mollis, bevor es auf der Asphaltstrasse aufwärts geht. Die Steigung ist ordentlich und presst einige Schweissperlen aus dem Körper. Vor Mullern wechselt der Belag auf Kies. Die Steigung wird teilweise noch intensiver. Die am Weg liegenden Einkehrmöglichkeiten haben geschlossen, Ferienzeit.
Die Mittler Stafel ist erreicht, somit auch das Ende der Alpstrasse. Jetzt heisst es schieben oder tragen. Der Schotterweg ist sehr steil und unfahrbar. Nach der Kuhherde passiere ich die Ober Stafel. Nochmals ein paar Meter zu Fuss, bevor die letzten Meter vor dem Pass pedalend zurückgelegt werden können.

Geschafft, nach gut 1’400 Höhenmeter am Stück, stehe ich auf dem Fronalppass, zwischen Fronalpstock und Färistock. Die Sicht ins nächste Tal und an den markanten Mürtschenstock ist wunderbar. Ich verbringe hier meine verdiente Pause, während eine sympathische Bikerin leider gleich in die Abfahrt startet.

Die ersten Meter der Abfahrt sind bereits durch viele Steine verblockt. Das Vorderrad sucht eine Linie zwischen den Steinbrocken und den Weglöchern, eine typische alpine Kuhweide. Beim Stall wird der Trail flacher und mündet vor dem Spaneggsee in eine Alpstrasse. Der See liegt vertieft in einer Mulde, umringt von vielen Fichten, fast wie Kanada im Kleinformat.
Ich fahre nicht zum See runter, sondern rolle der Schotterstrasse entlang. War es das bereits gewesen?

Plötzlich stehe ich vor einem massiven Geländeabsatz. Das wunderschöne Tal ist wie zweigeteilt, in einen oberen und unteren Teil, in Spanegg und Hinter Tal.
Es keimt Hoffnung auf, Hoffnung auf einen Trail. Der in den steilen Abhang gebaute Weg ist voller Treppenstufen, natürlichen Absätzen, Felsbrocken, Spitzkehren … wie genial. Mein Fahrtechnikherz schlägt Purzelbäume. Ein Grüppchen Wanderer kämpft sich mühsam die Stufen hoch. Die ältere Dame kann es kaum glauben, dass ich hier mit dem Bike runter fahre und meint, ob das nicht gottherausfordernd sei 🤩

Kaum ist der Trail zu Ende, begrüsst mich der Talalpsee. Auch dieser liegt umringt von Bergen in einer wunderschönen Landschaft, ein kleines Paradies.
Die sommerlichen Temperaturen, das klare Wasser und die einzigartige Idylle, verleiten mich für einen Sprung ins erfrischende Nass. Da kann mich nicht einmal die fehlende Badehose aufhalten.

Die Einkehr in der Talhütten gleich oberhalb vom See lohnt sich sehr. Das lasse ich mir nicht entgehen.

Was jetzt folgt ist pure Verschwendung. Der Track führt mich einige Höhenmeter hinauf zur Mittelstafel, inklusive Schiebepassagen. Der Einstieg in die Abfahrt ist nur dank GPS zu finden und glänzt hauptsächlich mit Kuhlöchern. Der Weg ist ein Kuhweg von Alp zu Alp und nicht das, was wir Biker lieben. Dennoch finde ich ein paar coole Abschnitte. Auf der Strasse angekommen, erklimme ich wieder diverse Höhenmeter bis kurz vor dem Talalpsee.
Wie schon geschrieben, diese Schlaufe lohnt sich auf keinen Fall. Lieber länger am See verweilen und Wasser und Sonne geniessen.

Die nächste Abfahrt nach Filzbach führt durch das Tobel Chammerboden. Zum Höhe vernichten ist es gut, erwärmt mein Bikerherz jedoch nicht. Das nächste Mal würde ich eine andere Alternative testen.

Oberhalb Filzbach traversiere ich auf einem herrlichen Höhenweg. Die Aussichtsplattform ist der Knüller. Die Sicht über den Walensee ist einmalig. Leider habe ich zu wenig Zeit um eine Pause einzuschalten. Schade, ich wäre lieber noch einige Minuten hier gesessen als diese unnütze Zusatzschlaufe zu fahren.

Die Abfahrt von Obstalden bis zum See glänzt mit viel Abwechslung. Nach ein paar Metern auf dem Veloweg muss das Bike einige Meter den Wanderweg hinaufgeschoben werden. Auch wenn keine Kraft und Lust mehr vorhanden sein sollte, das müsst ihr machen. Der Weg führt oberhalb vom See entlang von Felswänden. Ein tolles Erlebnis als Finale. Wenn die Zeit reicht, kann ein Sprung in den Walensee nochmals Abkühlung verschaffen. Ich laden jedoch mein Bike auf und kurve nach Hause.

Schöne Tour mit Passübergang, abgelegenen Tälern, schmucken Bergseen und technischen Trails. Einfach alles ohne Zusatzschlaufe, dann passt es und ist lohnenswert.

Distanz: 41.6 km
Höhenmeter: 1’957 hm
Bike: Liteville 301 Mk14

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