Monte Generoso

Monte Generoso

Der Ausflugsberg im Süden vom Tessin steht schon lange auf meiner ToDo Liste. Kürzlich wurde die Tour auch im Ride-Magazin vorgestellt. Aber kennt ihr den Unterschied zwischen der Reportage vom Hochglanzmagazin und meinem Blog? Für das Magazin muss man bezahlen, die Story ist zwar schön aber nicht sehr aussagekräftig, und die Bilder stammen alle nur rund um den Gipfel. Hier im Blog kriegt ihr einen gesamthaften Eindruck von der ganzen Tour, mit vielen nützlichen Infos 😉 … und gratis.
Genug Werbung, hinein in meinen Tessiner Biketag.

Hans hat den Shuttle organisiert und reserviert. Im Magazin steht, dass die Bahn Biker nur im Ausnahmefall bis zum Gipfel mitnimmt. Sind wir ein Ausnahmefall? Vielleicht auch nur sehr sympathische Jungs.
Die Fahrt ist ein Genuss und eine tolle Einstimmung auf den bevorstehenden Tag.

Bei der Bergstation erwartet uns das neue Gebäude vom Tessiner Architekten Mario Botta, Fiore di Pietra, auf Deutsch Steinblume. Für mich als Berufskollege, darf eine kurze Besichtigung vom Bau aus Beton und Granit natürlich nicht fehlen. Übrigens geniesst man von der Terrasse eine schöne Sicht runter zum Lago di Lugano. Ich empfehle, das Gebäude via Treppe zu erkundet und zu erleben.

Trotz bereits toller Aussicht, lohnt sich die Besteigung vom Gipfel, wenn auch das Bike den steilen Hang hochgeschoben werden muss. Die Rundsicht ist phantastisch, der Andrang der Besucher gross.
Auf der einen Seite den Lago di Lugano mit dem Damm von Melide, Lugano mit dem San Salvatore, auf der anderen Seite das Valle di Muggio, und in der Ferne die im Smog verschwindende Poebene. Wenn man einen sichtigen Tag erwischt, reihen sich die weissen Viertausender vom Wallis auf.

Der Gipfel ist klar ein Besuch wert. Und der Rest der Biketour?
Los geht es in die Abfahrt. Nach ein paar Pedalumdrehungen ist die Landesgrenze überfahren, bella Italia. Der Trail ist wie ein Pinselstrich, wir sind bereits nach den ersten Metern im siebten Himmel, im Trailhimmel. Jeder Meter ist voller Genuss, unbeschreiblich. Bei der Alpe d’Orimento blicken wir uns mit einem big smile fragend an. Ein 6er im Lotto für alle Flowfreunde. Das muss runtergespühlt werden. Im Restaurant gönnen wir uns für läppische 5 Euro eine 1.5 Liter Colaflasche. Am Ende der Tour bezahlen wir auf Schweizer Boden für nur 0.7 Liter fast das Doppelte. Unverschämt.

Die Bikes warten bereits ungeduldig auf ihre Reiter. Wir kommen, ab in den nächsten Trailabschnitt. Dieser erfordert etwas mehr Fahrkönnen, ist aber gut zu bewältigen. Das Dorf Erbonne liegt noch knapp auf italienischem Boden. Irgend wie fühlt man sich hier wie zu alten Zeiten.
(Von diesem Abschnitt habe ich leider keine vernünftigen Bilder).

Die Brücke bildet die Grenze, willkommen zurück in der Schweiz. Vorbei geht es an der Kapelle Sant Antonio bis Scudellate. Unsere Reifen spüren Asphalt, einem sehr fremden Untergrund. Die Strasse führt bis Roncapiano. Wir rollen vorbei an den paar Häusern. Am Ende vom Dorf steht die Kirche. Ende der Zivilisation. Das Gotteshaus bildet wirklich das Ende der Strasse vom ganzen Tal. Irgendwie speziell. Uns soll es reicht sein, denn wo die Strasse endet, beginnt der Trail. Und verschwunden sind sie im Wald.

Der Pfad ist purer Trailgenuss. Erst unten beim Bach erwachen wir aus dem Traum, als der Puls ansteigt. Hinauf geht es zum Dorf Muggio, dann gleich wieder runter zur nächsten Bachüberquerung.
Jetzt folgt der brutalste Teil der Tour. Der Weg vorbei an der Kapelle San Giovanni ist extrem steil. Es läppern sich 100 Höhenmeter zusammen. Die Hitze lässt die Flüssigkeit aus dem Körper entfliehen.

Plötzlich wird der breite Weg zum Trail und das Gefälle nimmt ab. Ich war beim Kartenstudium gespannt auf die kommenden Höhenmeter. 400 Meter Uphill auf Trails. Ist es fahrbar? Oder müssen wir schieben?
Der Pfad schlängelt sich durch diverse Tobel und dann im Zick Zack durch den Hang, immer schön aufwärts. Wow, das nennt sich Uphillflow, auch ohne Akku.
So etwas habe ich noch nie erlebt. Ein endlos langer Trail aufwärts, alles fahrbar und purer Genuss … wenn man Uphill überhaupt als Genuss bezeichnen darf.
Der Brunnen kommt wie gerufen. Ebenso die verdiente Pause beim Bauernhof-Restaurant La Grassa.

Die letzten Meter Trails warten. Nach Cragno wechselt dieser in einen breiten Weg mit zwischendurch ordentlich Schotter. Dieser Abschnitt kann ich nur noch halbwegs als Trail gelten lassen. Aber nach so einem Trailtag ist der Anspruch auch extrem hoch.

Wir blicken auf die Dächer von Mendrisio. Das bedeutet soviel wie das nahende Ende der Tour.

Auf dem Veloweg rollen wir zurück nach Capolago. Schnell das Bike gegen die Badehose tauschen und …

Daumen hoch. Die Generoso-Tour ist einfach Pflicht für uns Mountainbiker. Gemütliche Fahrt mit der Zahnradbahn, fantastische Aussicht auf dem Gipfel, Hammer-Trails, fast unüberbietbarer Trailanteil, Uphillflow, schmucke Dörfer, südliches Flair …
Ich empfehle, mit der Bahn bis ganz nach oben zu fahren. Somit bleibt mehr Zeit für Genuss … und unterschätzen soll man die Tour trotzdem nicht.
Hast du die Tour auch gefahren? Bist du auch so begeistert? Ich freue mich immer auf einen Kommentar …

Liebe Kollegen, das war ein genialer Tag mit euch. Richtig cool, dass wir diese neue Gegend ganz im Süden vom Tessin entdecken durften. Bis zum nächsten Mal 👍

Distanz: 32.7 km
Höhenmeter: 863 hm
Downhillmeter: 2’106 dm
Bike: Liteville 301 Mk14

3 Gedanken zu “Monte Generoso”

  1. Bin die Tour noch nicht gefahren – der Track liegt aber oben in der Prio…Deine Berichte sind mir viel lieber als die aus dem Hochglanzheftchen…Selber fahren ist besser als schöne Bilder schauen…;-)

  2. Auch ich bin leider noch nicht dazu gekommen, die trails in dem ticinoecken unter die räder zu nehmen, bin bisher immer weiter oben hängen geblieben. Dein bericht macht aber lust darauf und spornt an, auch dem untersten zipfel einmal einen besuch abzustatten. Aber was ist mit deiner kamera passiert, die bilder haben teilweise einen starken blausticht, weissabgleich?

Danke für deinen Kommentar !

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