Mäderlicke

Ist es ein Gipfel oder eher ein Pass? Oder eben eine Lücke? Sicher ist, dass es eine Bikebergsteigertour ist, die einiges an Fussmarsch mit geschultertem Bike erfordert.

Nicht nur mein Bike ist im Gepäck dabei, auch Sven, David, Markus und Peider sind mit von der Partie. Eine super Gruppe, mit ähnlichen Eigenschaften. So starten wir zu Fünft mit dem Postauto von Brig Richtung Simplonpass. Nach wenigen Metern sind wir weg von der Zivilisation und entfernen uns vom gemütlichen Teil. Es geht gleich ordentlich aufwärts, zuerst noch fahrend, dann zu Fuss. Mein Liteville hängt am PeakRider. Die Landschaft wird immer karger, schöner. Die Steine und Felsen präsentieren sich in verschiedensten Farben. Die Slickrocks laden zum Fahren ein.

Weit unter uns ist immer wieder die Passhöhe vom Simplon zu sehen. Der Pfad ist trotz Strapazen ein Genuss. Die Landschaft ist umwerfend schön. Dann stehen wir am ersten Übergang. Der Blick schweift zum Chaltwassergletscher und dem Gletschersee. Unsere Lücke ist bereits zu sehen, ebenfalls die Monte Leone Hütte. Der Kalte Wind bläst durch alle Ritzen an den Körper. Die Finger fühlen sich an wie im Winter. Nichts wie los zur warmen, geheizten Hütte.

Pech gehabt, die Hütte hat bereits geschlossen. Nichts wie weiter, um auf Betriebstemperatur zu bleiben.
Die Hütte liegt übrigens gleich an der Italienischen Grenze, mit herrlichem Blick in die Seenmulde und an den Gletscher. Ringsum türmen sich Felsen und Steine auf. Die Farbe Grün ist hier eher auf verlorenem Posten.

Nach einigen weiteren Metern fahrend und zu Fuss, erreichen wir die Mäderlicke. Wow, wie fantastisch hier oben. Auf der anderen Seite sieht man ins Walliser Haupttal. An einem windgeschützten Platz gibt es die verdiente Pause. Jeder wärmende Sonnenstrahl saugen wir in uns auf.

Welchen Weg schlagen wir ein? Direttissima oder über den Gipfel? Das Gipfelerlebnis lohnt sich. Glatterweise liegt das Mäderhorn sogar etwas tiefer als die Mäderlicke.
Die Abfahrt durch die rutschige Steinwüste erfordert viel Gleichgewicht. Im Schritttempo werden die Höhenmeter vernichtet. Eine Gemse springt über das Steinfeld und zeigt wie es gehen würde.
Die grünen Anzeichen von Vegetation nehmen zu. Der Trail bleibt sehr tricki. Unsere Bikerherzen strahlen. Die Jauchzer können wir uns kaum verkneifen.

Plötzlich nimmt der Schwierigkeitsgrad ab und das Tempo steigt. Wir fliegen über den Trail und durch die roten Heidelbeerbüsche. Meine Fotos werden immer spärlicher. Nächstes Ziel ist die imposante Ganterbrücke. Kein Trail wird ausgelassen. Nochmals ein Foto, dann mit Vollgas den Kollegen hinterher. Der flache Trail lädt ein zum Gas geben. Die Holzbrücke ist kaum ein Hindernis. Kurzer Sprung auf die Brücke und … schwups. Mein Vorderrad rutscht auf einem kleinen nassen Flecken weg. Ich lande auf den Holzbrettern, kippe über die Brücke und kann mich noch an den Brettern festhalten. Das Bike kippt ebenfalls vom Holzsteg, stürzt in die Tiefe, überschlägt sich dreimal und bleibt weit unten neben dem Bach stecken. Ich sehe mich schon zu Fuss ins Tal marschieren.
Ich hatte riesiges Glück. Mir ist ausser einem Schock und einer Schramme am Arm nichts passiert. Das Bike weist einen verrutschen Lenker auf und ein Bremsgriff ist leicht verbogen, sonst keine Schadensspuren. Ich kann es kaum fassen. Mein Bike hatte noch viel mehr Glück als ich. Schön, wenn wir immer einen zuverlässigen, treuen Schutzengel dabei haben.

Ab auf das Bike und weiter geht es. Der Schock ist schnell überwunden. Die beste Medizin dazu ist, sofort die nächsten biketechnischen Herausforderungen zu meistern.
Wir stossen auf den Stockalperweg und haben die letzten Downhillmeter vor uns. Vorbei am Stockalperpalast rollen wir durch Brig zur nächsten Gartenbeiz.

Was für eine Tour. Ein grandioses Erlebnis liegt hinter uns. Diese Lücke war der Hammer. Ich liebe diese Felsformationen, die Steinwüsten, die Abfahrten durch die verschiedenen Vegetationszonen, ein Abschlussbierchen mit Freunden … Schön, diesen Tag mit ein paar anderen Haudegen teilen zu können 😁 Gerne wieder mal.

Distanz: 25.1 km
Höhenmeter: 1’015 hm (fast alle zu Fuss)
Downhillmeter: 2’279 dm
Bike: Liteville 301 Mk14

 

6 Gedanken zu “Mäderlicke”

  1. Sehr schöner Bericht. Chaltwasserpass und Mäder liike kenne ich vom Wandern und den Stockalper bin ich mit dem Bike auch schon in beide Richtungen gefahren.
    Danke, dass du uns immer teilhaben lässt an den tolle Touren.

    Dä Winter gaht au verbi 🙂
    Lg Erika

    • Cool, da kommen sicher wieder Erinnerungen auf, wenn man die Gegend schon besucht hat.
      Mir fehlt die andere Seite vom Stockalperweg. Das möchte ich sicher auch mal nachholen. Meine Wunschliste ich schon so gross, das schaffe ich nicht alles in einem Jahr 😀

  2. Wow, gewaltige Bilder…Kenne nur den letzten Teil der Tour (ab Ganterbrigga)…
    Gut ist dein Sturz so glimpflich verlaufen….Zeugt auch von der Qualität des Bikes, dass es nicht mehr abbekommen hat.

    Wünsche dir schon mal schöne Feiertage..

  3. Eine tour die ich jedes jahr einmal fahren könnte, die speziell-schöne geologie des simplongebietes gepaart mit der langen abwechslungsreichen abfahrt ist einfach genial. Dies waren zwei super tage, wieder mal das wallis von seiner schönsten seite, zum glück ist dein abflug den umständen entsprechend glimpflich ausgegangen.

    Hmm «Die Farbe Grün ist hier eher auf verlorenem Posten» … zum glück liesst hier mein fröschchen nicht mit *g*

Danke für deinen Kommentar !

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